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sabine schupp
scheplerstr. 78
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tel: 040 / 43 18 80 01
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biowaffen-telegramm nr. 36
sunshine-project - 26. februar 2005

isg-bericht zensiert?... us-abwehrforschung ... iran ...
biowaffen-spionage der su...

1. isg-bericht: ein insider packt aus

auf der website der australian broadcasting corporation findet sich ein
interessantes interview mit rod barton, einem australischen
biowaffeninspektor, der früher für die vereinten nationen und zuletzt
für die von den usa eingesetzte iraq survey group (isg) tätig war.
barton beschuldigt den späteren leiter der isg, charles duelfer,
wichtige erkenntnisse, die unterstrichen hätten, dass der irak nicht
über massenvernichtungswaffen verfügte, aus seinen berichten
herausgehalten zu haben. dem interview ist zu entnehmen, dass sich
duelfer dem druck von us-regierung und cia gebeugt habe.
(http://www.abc.net.au/4corners/content/2005/s1300705.htm).

zeitungsberichten zufolge wird die isg noch im märz einen endgültigen
bericht über ihre arbeit im irak vorlegen. er soll im vergleich zum
vorläufigen isg-bericht, der im oktober 2004 veröffentlicht wurde
(http://www.cia.gov/cia/reports/iraq_wmd_2004/index.html), keine neuen
erkenntnisse enthalten.
eine auswertung des vorläufigen berichtes gibt es auf unserer homepage
unter
http://www.sunshine-project.de/infos/aktuelles/2004/04_11_02_isg_report.html.



2. rapider anstieg der experimente mit biowaffen-erregern in den usa
- immer mehr unerfahrene forscherinnen am werk

eine analyse der vergabe von forschungsstipendien in den usa
verdeutlicht den rapiden anstieg im bereich der forschung an
biowaffen-erregern.
beispielsweise hat sich die zahl der von den national institutes of
health and infectious diseases (niaid) vergebenen stipendien für die
erforschung von milzbranderregern seit anfang 2001 im vergleich zu den
vorjahren um 3471 prozent erhöht (von 7 stipendien im zeitraum 1996 -
2000 auf 243 stipendien im zeitraum 2001 - 2005), die von den niaid
vergebenen tularämie-forschungsstipendien sind um 3100 prozent gestiegen
(von 3 stipendien im zeitraum 1996 - 2000 auf 93 stipendien im zeitraum
2001 - 2005).

interessant ist zudem, an wen diese stipendien gingen: zwischen 97 und
98 prozent der begünstigten wissenschaftlerinnen sind erstantragsteller
- d. h. sie haben tendenziell wenig erfahrung in der arbeit mit den
gefährlichen erregern.

mehr hierzu finden sie auf der homepage unserer us-kolleginnen unter
http://www.sunshine-project.org/biodefense/niaidfunding.html

nach dem willen der us-regierung soll alleine das department of health
and human services im haushaltsjahr 2006 4,2 milliarden dollar für die
biowaffen-abwehr erhalten. die ausgaben für medikamente gegen
potentielle biowaffen-erreger sollen innerhalb dieses budgets um 50
prozent gegenüber dem vorjahr auf insgesamt 600 millionen dollar
steigen. eine kürzung soll es beim bau von nicht-staatlichen
hochsicherheitslaboren geben (von 149 millionen in 2005 auf 30 millionen
in 2006). (cidrap news, 11.02.2005,
http://www.cidrap.umn.edu/cidrap/content/bt/bioprep/news/feb1105budget.html)


3. bio- und chemiewaffen-vorwürfe gegen den iran

kürzlich kursierten zeitungsberichte, nach denen das deutsche
zollkriminalamt (zka) dem iran vorwirft, biologische und chemische
waffen zu besitzen.
diese berichte sind wahrscheinlich eher der aktuell aufgeheizten
diskussion um das iranische nuklearprogramm geschuldet und haben keinen
besonderen neuigkeitswert. sie gehen auf einen bericht des zkas aus dem
letzten november zurück, in dem es mit bezug auf die biologischen waffen
lediglich heißt: "ein b-waffenprogramm soll sich im entwicklungs- und
forschungsstadium befinden". quellen werden in dem bericht keine genannt
(http://www.zollkriminalamt.de/download/exportkontrolle_ext.pdf).


4. ex-kgb-spion enthüllt: su wusste bestens bescheid

alexander kouzminov, ein ehemaliger biowaffen-spion des kgb, hat ein
buch mit dem titel "biological espionage" veröffentlicht, in dem er
behauptet, dass es sowjetischen spionen in den 1980er und frühen 90er
jahren gelungen sei, die zentren der biowaffen-abwehrforschung in den
usa und großbritannien zu infiltrieren. sie seien genauestens über den
stand der forschungen dort informiert gewesen und hätten das sowjetische
biowaffen-programm regelmäßig mit erregerproben aus westlichen laboren
versorgt.
seit ende der 1980er jahre sei es der su bereits klar gewesen, dass der
westen selbst über keine offensiven biowaffen-programme verfüge.
in der su hätte es pläne gegeben, biowaffen an strategischen orten im
westen zu verstecken, um sie im falle eines krieges dort einzusetzen.
(london daily telegraph, 12.02.2005)


5. diverses

* in kanada wurden 6 orte lokalisiert, an denen alte c- und
b-waffenbestände lagern. die alten waffenbestände stellen nach
auskunft der zuständigen behörden ein potentielles risiko für
umwelt und gesundheit dar. ihre vernichtung würde millionen
kosten. (global security newswire, 24.01.2005,
http://www.nti.org/d%5fnewswire/issues/2005/1/24/d8544ca6%2df72d%2d43a0%2d995f%2d3241d4ab6cec.html)

* am 21. februar 2005 fand ein workshop zur biowaffenkonvention in
melbourne, australien, statt. 12 südostasiatische und pazifische
nationen nahmen daran teil. der workshop wurde gemeinsam von
australien und indonesien veranstaltet. im zentrum stand die
entwicklung von gesetzen und verhaltenskodexen zur reduzierung der
bedrohung durch biowaffen.

* am 16. februar präsentierte der neue cia-chef porter goss dem
geheimdienstausschuss des us-senats seinen jahresbericht über
weltweite bedrohungen. darin äußerte er u. a., er glaube, dass
nordkorea auch aktive programme für chemische und biologische
waffen unterhalte. womöglich besäße es bereits einsatzfähige
chemie- und biowaffen.
es lässt sich nicht beurteilen, inwieweit diese stellungnahme auf
konkreten informationen beruht oder rein politischer natur ist.
(http://focus.msn.de/hps/fol/newsausgabe/newsausgabe.htm?id=11621)

* neu erschienen in 2. auflage ist das von klaus bieneck
herausgegebene "handbuch des außenwirtschaftsrechts - mit
kriegswaffenkontrollrecht". es enthält eine umfangreiche
darstellung aller gesetzlichen beschränkungen zur verhinderung der
proliferation von massenvernichtungswaffen und konventionellen
rüstungsgütern durch deutsche oder von deutschland aus.

* ein verdächtig riechender kanister löste chemie-alarm auf einem
flughafen in ankara aus. 43 menschen, die unter dem vermeintlichen
giftgas litten, wurden ins krankenhaus gebracht. später stellte
sich heraus, dass es sich lediglich um die ausdünstungen von
knoblauchöl gehandelt hatte. (turkish daily news, 12.02.2005)

 

 

                            

 

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