theopenunderground udog ulinuz nurse war kapital sekten
theopenunderground.net   toug.de   toetet-die-gruenen.de
attac.toug.de   dada.toug.de   anarcho.toug.de   chiapas.toug.de  
theopenunderground.de suche

 

 

das barnimer aktionsbündnis gegen gentechnik
breitscheidstr. 41, 16321 bernau
tel.: 03338 - 459407, fax: 03338 - 700889
web : dosto.de/gengruppe
e-mail: gengruppe@dosto.de
newsletter :geninfo-subscribe@lists.so36.net

keine-gentechnik.de nachrichten




 back
 nurse-termine-2002+3
 nurse-termine-2004
 nurse-termine
 geninfoletter04

 





15.12.2005

Frankreich: Gericht spricht Anti-Gentechnik-Aktivisten frei

Es ist ein Sieg für die Gegner von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in
Frankreich - ein Gericht in Orléans hat 49 Angeklagte freigesprochen, die in
diesem und im vergangenen Jahr zwei Maisfelder zerstört hatten. "Dieses
Urteil zeigt, dass es keine gentechnisch veränderten Pflanzen auf unseren
Feldern geben muss", erklärte einer der Angeklagten. "Und es bestätigt uns,
die politische Debatte weiter zu führen, damit diese Pflanzen ganz aus der
Landwirtschaft verschwinden."

Nach Ansicht der Richter hätten die Aktivisten aus einer Notwendigkeit heraus
gehandelt, weil sie die unkontrollierte Ausbreitung von Genmais befürchteten.
Es ist das erste Mal, dass ein Gericht in Frankreich die Interessen der
sogenannten "faucheurs volontaires", der freiwilligen Mäher, berücksichtigt.
Allerdings müssen die Angeklagten eine Zivilstrafe von rund 6000 Euro als
Entschädigung an das amerikanische Unternehmen Monsanto zahlen, dem die
Maisfelder gehören. Das Unternehmen will gegen die Entscheidung Berufung
einlegen.
http://www.euronews.net/create_html.php?page=detail_info&article=325329&lng=3




12.12.2005

Süddeutsche Zeitung, 7.12.2005, Wissen, Seite 10

Orientierungslos im Erbgut

Gentechnik-Kritiker: Aktuelle Erkenntnisse über das Genom erfordern eine
Neubewertung der Risiken veränderter Pflanzen
/von Tina Baier/

Die Forscher konnten es kaum fassen, als sie das Erbgut des Menschen im
Jahr 2001 endlich entschlüsselt hatten. Statt der geschätzten 100 000
Gene hatten sie lediglich 30 000 gefunden. Im Oktober 2004 wurde diese
Zahl noch einmal nach unten korrigiert Nur 25000 Gene genügen demnach,
um die mehr als 250 000 verschiedenen Eiweißstoffe im Körper eines
Menschen zu produzieren. Die ursprüngliche Vorstellung, wonach jeweils
ein Gen den Bauplan für jeweils ein Protein enthält, war spätestens zu
diesem Zeitpunkt überholt; bei einem solchen Zahlenverhältnis war
offensichtlich, dass ein Gen für viele verschiedene Eiweißstoffe
zuständig ist. Es war die Geburtsstunde der Epigenetik, der Erforschung
der_ Regulationsmechanismen, die bestimmen, welches Gen wann welches
Protein exprimiert.

Besonders komplex sind diese Mechanismen bei Pflanzen. Anders als Tiere
können sie nicht weglaufen, wenn sich ihre Umgebung verändert. Sie
müssen sich den neuen Bedingungen anpassen. Viele können deshalb
innerhalb kürzester Zeit neue Substanzen produzieren, etwa zur Abwehr
von Schädlingen. All diese Erkenntnisse müssten nach Ansicht von
Gentechnik-Kritikern, die sich vergangene Woche auf einer Tagung von
Greenpeace und dem Ökoinstitut Freiburg in Frankfurt trafen, auch bei
der Herstellung und Zulassung transgener Pflanzen stärker berücksichtigt
werden.

_Epigenetische Mechanismen sind die Hauptursache für die
Unvorhersagbarkeit von Fremdgenen und ihrer Wirkung_, sagte Marcello
Buiatti, Genetiker an der Universität Florenz. Als Beispiel für
Überraschungseffekte nach einem Eingriff ins Erbgut nennt Katja Moch vom
Ökoinstitut Freiburg gentechnisch veränderte Sojabohnen der Firma
Monsanto. Diese seien nicht nur resistent gegen das Herbizid Roundup.
Sie seien auch hitzeempfindlicher, kleiner und stärker verzweigt als
unveränderte Sojapflanzen. Außerdem sei ihr Chlorophyll- und
Ligningehalt erhöht sowie der gesamte Hormonhaushalt verändert. Andreas
Thierfelder, Pressesprecher bei Monsanto, sieht darin kein Risiko. _Wenn
sich diese Eigenschaften normal vererben, gibt es keinen Unterschied zur
herkömmlichen Züchtung, bei der auch Pflanzen mit neuen Eigenschaften
entstehen._ Aus ökonomischer Sicht stelle sich lediglich die Frage, ob
die unerwartet aufgetretenen Eigenschaften nützlich sind oder nicht.

Nach Ansicht der meisten in Frankfurt versammelten Wissenschaftler
zeigen solche Effekte aber, dass die Herstel1er gentechnisch veränderter
Pflanzen kaum wissen, was sie eigentlich tun: _Die Gentechnik ist nicht
ausgereift_, sagte Cesare Gessler, der sich an der ETH Zürich mit
Apfelzüchtung beschäftigt. _Ihre Produkte sind noch auf dem Niveau der
Dinosauriertechnologie. Wenn ich heute irgendein Stück DNS in ein
Pflanzengenom einbaue, dann weiß ich nicht; wo es hinkommt und was ich
zusätzlich in der ganzen Kette vom Gen bis zum Protein verändere. Ich
weiß nicht, in welche Regulationszusammenhänge ich da eingreife._

Gilles-Eric Seralini, Molekularbiologe an der Universität Caen stellte
in Frankfurt Untersuchungen seines Kollegen Yves Bertheau vom
französischen Institut National de la Recherche Agronomique (INRA) vor.
Bertheau sequenzierte die Fremdgene bereits zugelassener
Gentech-Pflanzen und stellte dabei fest, dass sie anders aufgebaut waren
als im Patent beschrieben. Ein Grund dafür könnte nach Ansicht von
Seralini sein, dass epienetische Einflüsse die Gene verändert haben.
Seralini hält die Risikobewertung transgener Pflanzen aber auch noch aus
einem anderen Grund für unzureichend. _Die meisten gentechnisch
veränderten Pflanzen sind resistent gegen ein Herbizid oder produzieren
selbst ein Schädlingsbekämpfungsmittel_, sagte er in Frankfurt. Viele
der veränderten Pflanzen stünden in Verdacht, Pestizide zu erzeugen, die
noch nicht auf Gesundheitsschäden getestet worden sind. Johannes
Klockenhoff, Sprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz und.
Lebensmittelsicherheit, das in Deutschland für die Zulassung transgener
Pflanzen zuständig ist, ist dagegen überzeugt, dass man
gesundheitsschädliche lnhaltsstoffe während der Zulassungsprozedur
erkennen würde _Werden in transgenen Pflanzen neue Proteine gebildet, so
wird in der Regel mit diesen Proteinen eine 28-Tage-Toxizitätsstudie an
Nagern - meistens Mäusen _ durchgeführt_, schreibt er auf Anfrage.

Einig sind sich Kritiker und Befürworter der Gentechnik, dass die
Epigenetik viele herkömmliche Vorstellungen verändert hat: Richard
Strohmann, emeritierter Zellbiologe der Universität Berkeley formuliert
es so: _Die DNS wird von Wissenschaftlern des Human-Genom-Projekts als
_Buch des Lebens_ bezeichnet. Doch viele andere Biologen sehen in der
DNS nur eine zufällige Ansammlung von Worten, aus der eine
bedeutungsvolle Geschichte des Lebens zusammengestellt werden kann._




Das Parlament

55. Jahrgang / Nr. 47, 21. November 2005

Seite 8, Globale Wirtschaft

*Konzerne greifen mit der Patentierung auf Saatgut nach dem Schlüssel
der Versorgung durch Nahrungsmittel*

*Lizenzgebühren für Mais und Schweine*

* *

Patente auf Saatgut kennen die meisten europäischen Landwirte bisher nur
vom Hörensagen. Doch die Liste der Länder, in denen Landwirte bereits
Lizenzgebühren für die Verwendung patentierter Pflanzen bezahlen (oder
bezahlen sollen), ist lang: Sie umfasst unter anderem die USA, Kanada,
Brasilien, Indien und Südafrika. In diesen Ländern gehört dem Landwirt
seine eigene Ernte nicht mehr: Will er sie wie gewohnt zu Wiederaussaat
verwenden, können die Patentinhaber klagen.

Auch in Europa sind bereits einige 100 Patente auf Saatgut erteilt
worden. Viele (aber längst nicht alle) dieser Patente wurden auf
gentechnisch verändertes Saatgut erteilt. Dabei wird nicht nur das
technische Verfahren, sondern auch das Saatgut, die Pflanzen, der Anbau
der Pflanzen und die Ernte mitpatentiert. Sogar die Verwen-dung der
Ernte zum Herstellen von Lebensmitteln oder die Verfütterung der
Pflanzen an Nutztiere sind Teil der Patentansprüche.

Um sich vor Augen zu führen, um welch weitreichende und globale
Monopolrechte es sich hier handelt, ein aktuelles Beispiel: In
Argentinien wurden schon vor etwa zehn Jahren gentechnisch veränderte
Sojabohnen der Firma Monsanto eingeführt. Die Saaten haben im Vergleich
zu herkömmlichem Sojaanbau einen wesentlichen landwirtschaftlichen
Vorteil: Sie ertragen das firmeneigene Spritzmittel. Damit entfallen
ackerbauliche Metho-den wie Pflügen zur Bekämpfung des Unkrauts. Das
Spritzmittel kann immer auf den Acker ausgebracht werden, auch wenn die
Nutzpflanzen bereits keimen und wachsen. In der großflächigen
Landwirtschaft Argenti-niens ist dies ein wichtiger
Rationalisierungsvorteil, der dazu führt, dass der Sojaanbau ausgeweitet
und dabei auch immer mehr Urwald geopfert wird. Inzwischen sind normale
Saaten weitgehend verdrängt; über 90 Prozent der Landwirte arbeiten mit
diesem System, das kurzfristig eine Steigerung der Gewinne ermöglicht,
wenn sich die Unkräuter an das Spritzmittel anpassen. Längst ist eine
Entwicklung im Gange ist, die zu immer höherem Spritzmitteleinsatz führt.

Es wird nicht nur das
technische Verfahren,
sondern auch
das Saatgut, die Pflanzen, der
Anbau der Pflanzen
und die Ernte
mitpatentiert.

Nun hat die Firma Monsanto in Argentinien einen durchschlagenden Erfolg
mit ihrer Technologie erzielt. Eine Debatte über die Risiken für die
Umwelt findet unter den harten finanziellen Rahmenbedingungen der nicht
subventionierten Landwirtschaft Argentiniens ohnehin nur sehr begrenzt
statt. Zufrieden ist Monsanto trotzdem nicht. 2004 kündigte die Firma
sogar an, sich komplett aus Argentinien zurückzuziehen. Der Grund: Die
Paten-tierung von Saatgut ist in Argentinien verboten, die Landwirte
zahlen nach Ansicht der Firma zu wenig für die Aussaat von Gen-Soja.
Jetzt soll ausgerechnet das Europäische Patentrecht Abhilfe schaffen:
2005 wurde in Europa das Patent auf Monsantos Gen-Soja endgültig
erteilt. Auf der Grundlage des Patentes lässt Monsanto derzeit in
europäischen Häfen bei argentinischen Schiffsladungen Kontrollen
durchführen. Die ersten Gerichtsverfahren gegen argentinische Importeure
vor Europäischen Gerichten werden bereits vorbereitet. Monsanto will
also bei der Ernte der argentinischen Landwirte in Europa nachkassieren,
etwa 15 Dollar pro Tonne sollen es sein - bei einem Importvolumen von
etlichen Millionen Tonnen eine äußerst lohnende Art der Wegelagerei.

Und auch in Europa gibt es erste Beispiele dafür, welche Folgen die
überhöhten Lizenzgebühren haben können: Das einzige Land, in dem derzeit
kommerziell Gen-Soja von Monsanto angebaut wird, ist Rumänien. Dort ist
- im Gegensatz zur EU - der Anbau der Pflanzen grundsätzlich erlaubt,
muss allerdings registriert werden. Da aber für die Landwirte die
Lizenzgebühren der Firma Monsanto zu hoch sind, kaufen sie ihre Saaten
lieber auf dem Schwarzmarkt. Inzwischen ist der Sojaanbau komplett außer
Kontrolle geraten - anstatt der registrierten rund- 60 Prozent der
Anbaufläche scheinen nach neueren Untersuchungen tatsächlich über 90
Prozent der Anbaufläche betroffen zu sein. Ob Monsanto demnächst seine
Detektive auch auf die Felder rumänischer Kleinbauern schicken wird?

In Deutschland werden ebenfalls patentierte Saaten abgebaut. Der
Gen-Mais MON810, ein Mais mit einge-bautem Insektengift, wurde in den
letzten fünf Jahren auf etwa 300 Hektar auch in Deutschland angebaut.
Doch solange die Akzeptanz für derartiges Saatgut so gering ist,
vermeidet die Firma Monsanto aggressive Patent-strategien. Anders in den
USA und Kanada: Berühmt wurde der Kampf zwischen Percy Schmeiser, einem
kanadischen Landwirt, und Monsanto, die ihn wegen patentierter
Raps-Saaten verfolgte. In den USA hat das Center for Food Safety bereits
etwa 100 Fälle dokumentiert, bei denen Landwirte und Agrarunterhmen von
Monsanto wegen patentierter Saaten vor Gericht gebracht wurden. Es wird
berichtet, dass Monsanto ein Team von 75 Leuten unterhält, die in den
USA Landwirte ausspionieren sollen, die verdächtigt werden, Saatgut zu
verwenden, für das sie keine Gebühren bezahlt haben. Dass der Konzern
dabei auch erhebliche finanzielle Forderungen gegenüber Landwirten
durchsetzt, zeigt eine AP-Meldung vom 26.11.2002. Demnach hat ein
_Berufungsgericht im Bundesstaat Washington entschieden, dass ein
Soja-Landwirt aus der Region Pontotoc County gegen ein Patent verstoßen
hat, das der Biotechnologiekonzern Monsanto auf ein bestimmtes Saatgut
besitzt. Das Gericht verurteilte den betreffenden Landwirt, Homan
McFarling, zu der Zahlung von 780.000 US-Dollar Schadensersatz an
Monsanto, weil der Landwirt angeblich Roundup-Ready-Sojabohnen von
seiner Ernte für die nächste Aussaat zurückbehalten hatte."

*Kann das Saatgut patentiert
werden, kann
weltweit die Züchtung von
Pflanzen ebenso wie die
Erzeugung von
Nahrungsmitteln kontrolliert
werden.*

* *

Auch wenn Landwirte in Europa nie Gen-Saaten anbauen würden, wäre das
Problem der Saatgutpatente nicht vom Tisch. Inzwischen werden auch
Patente auf Saatgut beantragt und erteilt, das gar nicht gentechnisch
verändert wurde. Patente auf Weizen mit besonderer Backqualität, Patente
auf Mais mit erhöhtem Ölgehalt: Schon kleine technische Schritte
genügen, um Pflanzen, Saatgut und Ernte zu monopolisieren. Dass hier ein
Ende des Missbrauchs des Patentrechtes noch längst nicht in Sicht ist,
zeigen Patentanträge der Firma Syngenta: Sie beansprucht in über einem
Dutzend von Patenten, die weltweit angemeldet wurden, nichts weniger als
das gesamte Erbgut der Reispflanzen - nicht um unbedingt Gen-Reis zu
produzieren, sondern um die in Pflanzen in natürlicher Weise
vorkommenden, wirtschaftlich besonders interessanten Gene zu
untersuchen. Die jeweils identifizierten Pflanzen und Gene werden im
Patent gleich mitbeansprucht.

Die Firma Monsanto weitet inzwischen das System sogar auf Tiere aus: Sie
hat weltweit ein Patent auf Schweine angemeldet, bei denen natürlicher
Weise vorkommende Erbanlagen beschrieben werden, die ein schnelleres
Wachstum versprechen. Wird das Patent erteilt, kann Monsanto für alle
(ganz normalen) Schweine Lizenzgebühren erheben, bei denen die Gene
natürlicherweise vorkommen, wenn der Landwirt nicht beweisen kann, dass
die Schweine nicht von Monsantos patentierten Zuchtsauen abstammen.

Von einer Erfindung zu sprechen mag bei gentechnischen Verfahren noch
einleuchten, bei ganzen Pflanzen und Tieren ist dagegen der
Erfindungsbegriff nicht nur ethisch, sondern auch wirtschaftlich und
rechtlich äußerst problematisch. Trotzdem lässt das Europäische
Patentrecht derartige Patente seit 1998 ausdrücklich zu. Mit Erfolg hat
es die Agrochemie verstanden, hier Einfluss zu nehmen. In den letzten
zehn Jahren hat sich der Saatgutmarkt dramatisch verändert. Die größten
Unternehmen im internationalen Saatguthandel kommen inzwischen alle aus
der Agrochemie; Monsanto, Dupont, Syngenta heißen die Spitzenreiter. Die
Firma Monsanto hat in den letzten zehn Jahren etwa zehn Milliarden
US-Dollar für Aufkäufe in der Agrar- und Saatgutbranche ausgegeben. Kann
das Saatgut patentiert werden, kann weltweit die Züchtung von Pflanzen
ebenso wie die Erzeugung von Nahrungsmitteln kontrolliert werden. Damit
greifen diese Firmen nach einer Schlüsselstelle bei der Versorgung mit
lebenswichtigen Ressourcen. Dies gibt der Debatte um die Sicherung der
Welternährung, die von diesen Firmen mit großer Empathie geführt wird,
eine bedrohliche Dimension.

Mit Sorge wird die Entwicklung nicht nur von Landwirten, sondern auch
von der UN, der Rockefeller Foundation und von Wissenschaftlern
verfolgt. Sie befürchten weitreichende Blockaden in der Forschung und
eine Verteuerung von Saatgut, die insbesondere für Entwicklungsländer
dramatische Folgen haben kann. Die Bemühungen um eine Neuausrichtung der
europäischen Patentgesetze müssen unter diesen Umständen für die neue
Bundesregierung eine hohe Priorität haben. Christoph Then

Center for Food Safety: (http://www.centerforfoodsafety.org/)


/Christoph Then arbeitet bei Greenpeace in München///




18.11.2005
VERSUCH ABGEBROCHEN

Gen-Erbsen machten Mäuse krank

Nach zehn Jahren haben australische Forscher ihre Versuche mit gentechnisch
veränderten Erbsen abgebrochen: Die manipulierten Hülsenfrüchte riefen
Lungenkrankheiten bei den Versuchs-Mäusen hervor.

Sydney - Zwar sei die genmanipulierte Erbsenpflanze fast zu hundert Prozent
gegen Insektenbefall resistent gewesen, sagte der stellvertretende Leiter des
Forschungsinstituts CSIRO, Thomas Higgins, dem Rundfunksender ABC. Doch
hätten die Feldmäuse heftig auf ihre neue Nahrung reagiert.

Nach Auffassung von Higgins könnte die Reaktion der Mäuse "auf das Protein
etwas widerspiegeln, was auch bei Menschen passieren könnte". Obwohl die
Versuche abgebrochen wurden, haben die Forscher nach eigenen Angaben
"wichtige Erkenntnisse über das Verfahren" gewonnen. Diese ließen sich
durchaus bei anderen Versuchen anwenden.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,385607,00.html


@ @ @ @ @ @

14.11.2005
Die von der Großen Koalition vereinbarte Lockerung des gentechnikrechtlichen
Haftungsrechts in Richtung auf eine Fondslösung ist ordnungspolitisch und
verfassungsrechtlich problematisch

1. Die durch das Grundgesetz, das EU-Recht und die WTO vorgegebene
Wirtschaftsverfassung geht von einer möglichst von staatlichen Einflüssen
frei gehaltenen Wirtschaftstätigkeit aus. Der wirtschaftende Unternehmer
soll die Chancen seiner Tätigkeit nutzen können, aber auch die Risiken
hierfür tragen müssen. Auf diese Weise soll eine sinnvolle Allokation von
Ressourcen erreicht werden. Der Unternehmer soll auch keine Gewinne auf
Kosten des Steuerzahlers machen dürfen. Für den Bereich des Umweltschutzes
hat dieser Grundsatz in Form des Verursacherprinzips nach Art. 174 Abs. 2
Satz 2 EG-Vertrag sogar Verfassungsrang. Die Entlastung bestimmter Branchen
wie der Agro-Gentechnik von den durch sie verursachten Kosten durch
Abwälzung auf einen Fonds ist mit diesen ordnungspolitischen
Grundvorstellungen nicht vereinbar.

2. Die Einschaltung eines staatlichen Fonds wäre ein Fremdkörper im
zivilrechtlichen Nachbarrecht. Es ist nur schwer begründbar, durch
Gentechnik verursachte Immissionen anders zu behandeln als wie es das BGB
seit seiner Einführung bis heute bei allen anderen Immissionsarten tut.
Darin liegt eine außergewöhnliche Privilegierung der Gentechnik im
Verhältnis zu allen anderen Branchen und ein außergewöhnlicher Systembruch
im zivilen Nachbarrecht, der mit dem Willkürverbot und dem Gebot einer
konsistenten Gesetzgebung kaum noch zu vereinbaren ist.

3. Selbst wenn man diesen Systembruch für zulässig hält, wäre immer noch bei
der konkreten Ausgestaltung sehr genau zu fragen, ob dadurch der Staat noch
seinen Schutzverpflichtungen aus Art. 14 GG und 20 a GG nachkommt. Sollte
sich der Schutzstandard für gentechnikfrei produzierende Landwirte durch
dieses neue System verschlechtern, läge darin neben dem Verstoß gegen
deutsches Verfassungsrecht auch noch eine Verletzung europäischen Rechts.




Kontaminationen


David gegen den Gentech-Goliath

Percy Schmeiser sorgt wieder für Schlagzeilen. Der 75-jährige kanadische
Farmer, der vom US-Biotechkonzern Monsanto verklagt worden war, weil er
angeblich ohne Erlaubnis patentierten Gentech-Raps auf seinen Feldern
angebaut haben soll, hat jetzt seinerseits seinen langjährigen
Widersacher verklagt. Er will von Monsanto Schadensersatz, da er seit
längerem schon gezwungen sei, seinen gentechfreien Hof regelmäßig von
wild wucherndem Gentech-Raps zu befreien. Die von Monsanto unter
Patentschutz gestellten Gentech-Pflanzen würden durch Polleneintrag oder
beim Transport verloren gegangene Rapskörner auf sein Land gelangen. Mit
diesem Argument hatte er sich schon gegen die Monsanto-Klage gewehrt.
Doch die kanadischen Richter nahmen ihm seinerzeit diese Erklärung nicht
ab, sodass er verurteilt wurde. Ob er dieses Mal Recht bekommen wird,
bleibt abzuwarten. Monsanto hatte sich zwar vor kurzem noch bereit
erklärt, die konzerneigenen und patentierten Rapspflanzen selbst von
Schmeisers Hof zu entfernen. Doch zuvor sollte Schmeiser ein Papier
unterschreiben, mit dem er Monsanto von allen Schadensersatzansprüchen
freistellt. Zugleich sollte ihm damit aber auch verboten werden, über
dieses Agrément öffentlich zu berichten. Für Schmeiser war das zu viel.
Den Mund lasse er sich nicht verbieten. "Die müssen denken, ich sei
vollkommen verrückt", wies er das Ansinnen Monsantos entschieden zurück.
Jetzt werden die kanadischen Gerichte den Fall Schmeiser gegen Monsanto
entscheiden müssen.

WOLFGANG LÖHR

04.11.2005 taz




Blätter für deutsche und internationale Politik Analysen und Alternativen - Ausgabe 04/2005 - Seite 463 bis 473 Das Kartell der Grünen Gentechnik Von Christoph Palme Seit Jahren lehnen konstant über 70 Prozent der Bevölkerung in Europa gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Der Grund hierfür liegt in einer nüchternen Abwägung. Den ungeklärten gesundheitlichen und ökologischen Risiken etwa einer gentechnisch aufgerüsteten Tomate wird der zweifelhafte Nutzen jener "Antimatschtomaten" entgegengestellt, die schon deshalb von besonderer Haltbarkeit sein müssen, weil sie oftmals wochenlang quer durch Europa gekarrt werden. Da in Nordamerika diese Kosten Nutzen Diskussion[*] nie in einer breiten Öffentlichkeit geführt wurde und Gen Lebensmittel bis heute nicht kennzeichnungspflichtig sind, gelang dort in den letzten Jahren weitgehend lautlos die Einführung dieser Risikotechnologie. Angestoßen von den Handelskonflikten mit dem gentech kritischen Europa beginnt dort erst jetzt und viel zu spät eine kritische Debatte. Ähnlich uninformiert und dementsprechend leicht manipulierbar ist die Bevölkerung in den so genannten Entwicklungsländern, die den derzeit am rasantesten wachsenden Absatzmarkt für die genmanipulierten Produkte der Agro Konzerne darstellen. Erst im Nachhinein bemerken dort die Landwirte, wor auf sie sich einließen, zumal die offiziellen Organisationen, wie etwa die Landwirtschafts­- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO, die Erfolge der Gentechnik besser darstellen, als sie tatsächlich sind (1), weshalb die breite Öffentlichkeit von den massiven Fehlschlägenoft gar nichts erfährt. So haben die großen Saatgutkonzerne in Indien bereits Tausende von Bauern in den Ruin getrieben. Zu einer regelrechten Versklavung der Kleinbauern führt das Patentrecht an den neuen Industriepflanzen (2). Da jedes gentechnisch veränderte Saatgut kommerzielles Eigentum der Biotech Konzerne ist, dürfen die Landwirte nicht einmal das von ihnen selbst ausgesäte und später geerntete Material zur Neuaussaat benutzen, ohne zugleich hohe Gebühren an die Agro Konzerne zahlen zu müssen. Gewinner dieses Spiels sind die Aktionäre der BiotechFirmen, Großgrundbesitzer und andere oft korrupte Eliten in den Entwicklungsländern. Der Verlierer ist, neben den kleinbäuerlichen Dorfgemeinschaften, die Umwelt, da die entstehenden riesigen Monokulturen extrem anfällig für Störungen sind, Regelmäßig ist dort ein Rückgang derArtenvielfalt um. 80 Prozent zu beobachten. Dennoch steigt entgegen anders lautender Erklärungen der Biotech Konzerne der Pestizideinsatz auf diesen Plantagen langfristig(3) weiter, weshalb die durch diese Technik entstehenden "Superunkräuter" nur mit noch immer schärferen Eingriffen in das Ökosystem zu bekämpfen sind. Letztlich droht die menschliche Gesundheit zum Verlierer dieses Teufelskreislaufes zu werden. wissenschaftliche Studien haben jedenfalls immer wieder Zusammenhänge etwa zwischen Magenkrebs und gentechnisch veränderten Lebensmitteln festgestellt.(4) Summa summarum wird den Menschen also zunehmend eine Technologie oktroyiert, deren tatsächliche und potenzielle Risiken beim derzeitigen Stand der Forschung in keinem. Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen. Wie aber konnte es zu diesem Versagen der politischen Entscheidungssysteme kommen? Die Interessen der Biotech Konzerne Die Biotech Branche der USA verliert seit dem. so genannten Gentech Moratorium der EU von 1999 jährlich rund 300Mio. US Dollar Exporterlöse.(5) Weltweit geben die Gentech Konzerne dennoch jährlich 4,4 Mrd. US Dollar Entwicklungskosten zur Erforschung und Erprobung neuer Produkte aus. Zu einfach wäre es jedoch, die Schuld alleine dem Gewinnstreben der Wirtschaft in die Schuhe zu schieben. In einer Marktwirtschaft ist es die systembedingte Aufgabe der Unternehmen, Innovation voranzutreiben, nach neuen Produkten zu suchen und um Marktanteile zu kämpfen. Gerade für rohstoffarme, hoch industrialisierte Volkswirtschaften ist ständige Produktinnovation unverzichtbar, da der Verkauf von Know how in vielen Fällen das Einzige ist, was diese Länder auf denn Weltmarkt anbieten können, wenn Wirtschaftsunternehmen also die Chancen der Grünen Gentechnik (6) ausloten, dort investieren und eine angemessene Rendite für das eingesetzte Kapital erwarten, tun sie genau das, was man von ihnen erwartet. Es wäre daher verfehlt, die agroindustrielle Gentechnik a priori zu verteufeln. Das Problem sind vielmehr die durch die neoliberale Ideologie gesetzten Rahmenbedingungen, unter denen solche Unternehmen handeln. Profit gilt als Wert an sich, der mehr zählt als jene ökologischen und gesundheitlichen Kollateralschäden, die ein solches Lenken produziert. Pharma Manager, die nicht täglich neue biotechnologische (Schein)Innovationen in den Markt drücken, gelten als Versager. So bringen natürliche Lebensmittel den Konzernen nur eine Gewinnmarge von drei Prozent, während so genannte functional food es auf 40 Prozent bringt also Lebensmittel, für die mit (oft fragwürdigen) gesundheits oder leistungssteigernden Zusätzen geworben wird. Unternehmen, die dieser Logik nicht folgen, werden von der Börse abgestraft. Eine solche Verabsolutierung von Firmengewinnen führt notwendigerweise zu Fehlsteuerungen, da die Werte, in deren Dienst diese Unternehmen eigentlich stehen sollten Befriedigung existenzieller Bedürfnisse, Wohlstand für alle, Verbesserung der Lebensbedingungen, sinnvoller Einsatz von Technologie, etc., dadurch stetig ins Hintertreffen geraten. Toleriert werden könnte diese Verselbstständigung rein monetären Denkens allenfalls dann, wenn die Wirtschaft durch Politik, Wissenschaft und Medien im Sinne einer Gewaltenteilung gesellschaftlicher Entscheidungsprozesse in Schach gehalten würde. Genau diese Sicherungen versagen jedoch wegen der krakenartigen Ausbreitung neoliberaler Ideologie. Die Indienstnahme der Politik In einem offenen Verfassungsstaat ist es eigentlich Aufgabe der Politik, für einen Ausgleich zwischen den Interessen zu sorgen. Erfolgreich kann dies nur dann geschehen, wenn die verschiedenen Interessengruppen Kontakt zur Politik halten und sie reit den nötigen Informationen versorgen. Grundsätzlich ist deshalb gegen aggressiven Lobbyismus nichts einzuwenden weder gegen jenen der Agro Konzerne, allen voran des US Konzerns Monsanto, der seit Ende der 90er Jahre einen wahren Lobbyisten Feldzug zur Einführung der Grünen Gentechnik in Europa führt, noch gegen jenen von Nichtregierungsorganisationen (NG0s) wie Greenpeace, GMwatch, BUND, Informationsdienst Gentechnik oder der Öko Bauernverbände. Problematisch wird es jedoch, wenn Politiker und Beamte ihre Rolle als "ehrliche Makler" aufgeben und einseitige Interessenvertretung betreiben. Einmal abgesehen von dem Einfluss der Cheney Gang auf die Energie und Sicherheitspolitik der Bush Regierung oder dem Berlusconi Regime ist die Verfilzung zwischen Politik, Beamten und Big Business derzeit in kaum einem Bereich so ausgeprägt wie in der agroindustriellen Gentechnik. Solche Seilschaften machten es zum Beispiel möglich, illegal Gen Mais nach Mexiko zu schaffen, uni das dort geltende Anbauverbot für Gen Pflanzen zu umgehen und so gegen den willen der Bevölkerung Fakten zu schaffen (7). Dieser gänzlich anti demokratische Überfall gelang. Heute ist Mexiko gentechnisch "erobert", da landesweit auch traditionelle Kulturpflanzen gentechnisch verseucht sind. Bereits unter der Clinton Regierung besetzten führende Manager von Monsanto leitende Positionen in den für die Agroindustrie zuständigen Bundesbehörden und wirkten maßgeblich an der Ausarbeitung des Rechtsrahmens für die Einführung der Grünen Gentechnik mit (8) Das entscheidende Gesetz zur Einführung der Grünen Gentechnik wurde von einem Monsanto-Rechtsanwalt geschrieben, der hierfür vorübergehend in die zuständige Bundesbehörde, die Food and Drug Administration, wechselte und nach getaner Arbeit wieder zurück zu Monsanto ging. So konnte erreicht werden, dass die amerikanischen Regulierungsbehörden bis heute die Gentechnik lediglich als Ausweitung konventioneller Züchtung einstufen und deshalb weder Veranlassung für besondere Sicherheitstests noch für eine Kennzeich­nungspflicht sehen. Unter der Bush Regierung verstärkten sich diese Tendenzen noch, da nun auf breiter Front Mitglieder der den Biotech Firmen nahe stehenden, rechtslastigen Netzwerke und Think Tanks Einfluss auf die Regierungspolitik bekamen. Bisheriger Höhepunkt dieser Entwicklung ist die konsequente Besetzung der in den USA so entscheidenden Bundesgerichte mit strammen Gesin­nungsgenossen der Grüner Gentechnik besonders zugetanen Republikani­schen Partei.. Hinzu kommen im Gefolge des 11. September 2001 immer wieder Versuche, kritisch eingestellte Gruppen wie Greenpeace als Staats­feinde zu brandmarken und mundtot zu machen. Ähnlich ist die Situation in Großbritannien. Dort hat Lord Sainsbury, Inha­ber einer der größten Supermarktketten des Landes, seit Jahren massiv in die Entwicklung der Grünen Gentechnik investiert. Im Jahre 1997 spendete Sainsbury der Labour Party einen Rekordbetrag ein Jahr später war er Wis­senschaftsminister im Kabinett Blair. Im Jahre 2002 stellte die ehrwürdige "Times" verwundert fest, dass die staatlichen Zuwendungen für Sainsburys Forschungslaboratorien um 300 Prozent gestiegen waren. Dem Minister kommt eine Schlüsselstellung bei allen Fragen der Einführung der Grünen Gentechnik in England (9). lm Jahre 2003 hatte Sainsbury bereits elf Mio. Pfund gespendet; im selben Jahr feuerte Tony Blair auf Druck von Monsanto, Bayer und Dupont seinen Umweltminister Michael Meacher, nachdem dieser mangelnde Sicherheitstests bei Genfood kritisiert hatte. Weniger dramatisch ist die Kumpanei zwischen Biotech Unternehmen und Politik bisher in Deutschland. Dennoch gibt es auch hier bedenkliche Ent­wicklungen. So gilt Sachsen Anhalt seit Jahren als einer der kompromiss­losesten Befürworter agroindustrieller Gentechnik. Die Landesregierung drohte bereits mehrmals eine Verfassungsklage gegen das neue Gentechnik­gesetz der rot grünen Bundesregierung an. Ein Blick auf die Zusammensetzung des Landtags fördert dahinterstehende Interessen zu Tage; Der Geschäftsführer des Projektbetreibers lnnoplanta, Dr. Uwe Schrader sitzt als Parteifreund des Wirtschaftsministers Horst Rehberger im Landtag und ist einer der Hauptinitiatoren des geheimen Erprobungsanbaus von Gen Mais in Sachsen Anhalt. Ein weiteres Beispiel für die Verfilzung zwischen Politik und Befürwortern der Gentechnik ist Cornelia Yzer. 1990 rückte die Juristin und Ziehtochter von Helmut Kohl aus der Bayer "Umweltabteilung" in den Bundestag ein. Trotz offensichtlicher Interessenkonflikte sah sie keinen Anlass, ihre Stelle bei Bayer aufzugeben, 1992 folgte der Karrieresprung zur Staatssekretärin. Seit März 1997 arbeitet sie als Hauptgeschäftsführerin des Pharma Lobbyvereins "Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller" und kassiert dafür 200 000 Euro jährlich neben ihren Bezügen als Bundestagsabgeordnete. Nachdem dies alles aufflog, verließ Yzer den Bundestag; sie arbeitet seitdem nur noch als Pharmalobbyistin. Auch internationale Organisationen wie UNO und Weltbank sind inzwischen von Biotech Lobbyisten unterwandert. So finden etwa regelmäßige Austauschprogramme zwischen Mitarbeitern von Aventis und Weltbank statt. Ein Spitzenbeamter der Weltbank Abteilung für Agrarpolitik und ländliche Entwicklung ist gleichzeitig Vorstandsmitglied des von Monsanto, Syngenta und Bayer geförderten "International Service for the Acquisition of Agri Biotech Applications". Dabei handelt es sich um eine pressure group für die Vermark­tung von Biotechnologie, deren Aufgaben unter anderem darin bestehen, den Ländern der "Dritten Welt" über den Weg großzügiger" Nahrungsmittelhilfe" gentechnisch veränderte Lebensmittel aufzuzwingen (10) Eine besonders undemokratische Variante von Gentechnik Imperialismus findet im Irak statt. Dort erließ die US Besatzungsmacht im April 2004 kurzerhand eine Verordnung zur Reform des kommerziellen Eigentums am Saatgut, wonach nicht einmal mehr die von den Landwirten selbst geerntete Feldfrucht zur Neuaussaat benutzt werden darf. Bemerkenswert ist auch der überraschende Kurs­wechsel der bisher vergleichsweise neutralen FAO hin zu einer überzeugten Befürworterin Grüner Gentechnik. Komplize Wissenschaft Bei ihrer Propaganda beziehen sich viele Politiker und Beamte auf Fachwis­sen so genannter wissenschaftlicher Kapazitäten. So kommen führende Wissenschaftler aus staatlichen wie privaten Forschungseinrichtungen zu dein Ergebnis, gentechnische Lebensmittel seien unbedenklich, oft sogar gesünder als die natürlichen, würden den Hunger in der Welt besiegen und seien wegen der künstlich geschaffenen zusätzlichen genetischen Vielfalt der wahre Garant einer nachhaltigen Entwicklung. Hört man auf diese Experten, scheint mit der Grünen Gentechnik das Paradies auf Erden einzuziehen (11). Was einem die offizielle Wissenschaft kaum sagt: Es gibt inzwischen genug Studien, die belegen, dass es sehr wohl einen Gentransfer von der Nahrung in den Körper geben kann, die Artenvielfalt in den gentechnischen Monokultu­ren drastisch sinkt, der Herbizidverbrauch durch die sich entwickelnden Resistenzen langfristig steigt und Superunkräuter entstehen. Auch haben Studien längst nachgewiesen, dass der wahre Grund für den Hunger in der Welt ungerechte Landverteilung, fehlender Zugang zu Wasser, schlechte Lagerung und vor allem Armut sind und nicht etwa fehlende Gentechnik. (12) Auch wie eine mit Milliardenbeträgen erforschte teure Gentechnik ausge­rechnet von Bauern bezahlt werden soll, die nicht einmal das Geld für die Ernährung ihrer eigenen Wider haben, sagen einem die Experten nicht. Allein in Indien, einer Speerspitze für die Agro Industrie, brachten sich bi s heute rund 10 000 Baumwolf Bauern um, weil sie die Kredite nicht zurück­zahlen konnten, die sie für die teure Agro Technik eben jener Konzerne auf­genommen hatten, die ihnen jetzt die Grüne Gentechnik als Erlösung anbie­ten.(13) Und wagt es doch einmal ein Wissenschaftler, an die Ö ffentlichkeit zu gehen wie Arpad Pusztai im Jahre 1998, schlägt das Imperium zurück. Pusztai, ein angesehener Wissenschaftler, der 30 Jahre lang a ls überzeugter Anhänger der Gentechnik am renommierten Rowett Research Institute in Aberdeen gearbeitet hatte, wurde diskreditiert und bedroht, be i ihm wurde eingebrochen und seine Arbeitsergebnisse gestohlen. Pusztai verlor seinen Job, und die Royal Medical Society verleumdete ihn. Dabei hatte er nur einen Verdacht geäußert, dem man hätte nachgehen sollen. Der eigentlichen Auf­gabe eines Wissenschaftsverbandes, diese Studien fortzuf ühren und wissen­schaftlich zu überprüfen, kam die mit weltweiten führenden Köpfen besetzte Royal Society aber nicht nach.(14) Sucht man n ach den Ursachen dieser Wissen­schaftskorruption, wird man schnell fündig. Spätestens seit dem Amtsantritt von Lord Sainsbury sind große Teile des offiziellen britischen Wissenschafts­betriebs, wie etwa die in Wissenschaftsfragen maßgebliche Royal Society, weitgehend von der Pharma und B iotechindustrie abhängig oder sogar von ihr unterwandert oft übrigens mit dem offiziellen Segen der Regierung. Diese Kumpanei zwischen Konzernboss en, Politikern und "Spitzenwissenschaftlern" war übrigens auch der Grund für das BSE Desaster, das den Steuerzahler europaweit Milliarden kostete. Unabhängige Wissenschaftler, die seit Jahren vor den Gefahren der Tiermehlverarbeitung warnten, wurden von diesen feinen Kreisen systematisch mundt ot gemacht, da die für die Aus­schaltung des BSE Erregers nötigen höheren Temperaturen bei der Tiermehl­herstellung die Gewinnmargen der F uttermittelindustrie verringern. Auch die Arme des weltweit in der Agro Gentechnik führenden Monsanto-­Konzerns reichen weit. So distanzierte sich auf Druck dieses Unternehmens da s renommierte Fachmagazin "Nature" im Jahr 2002 von einem dort erschienenen Artikel des Berkeley Professors Ignacio Chapela, der Gen­Mais Kontaminat ionen natürlicher Mais Sorten in Mexiko und damit indirekt den illegalen Transport von den USA nach Mexiko nachwies - ein einmaliger Vorgang in der 135jährigen Geschichte dieser Zeitschrift, hatte ein streng prüfendes Gremium den Artikel doch als publikationswürdig angenom­men. (15) Auße rdem verweigerte die Universitätszeitung von Berkeley dein Pro­fessor 2004 trotz einmütig positiver Empfehlung des Kollegiums eine Festan­stel lung die Universität arbeitet seit 1998 in einer Forschungskooperation mit dem Gentech Konzern Novartis zusammen, die ihr jährlich fünf Mio. US ­-Dollar einbringt, In demselben Jahr bestätigte eine Studie die Befunde von Chapela und warnte vor einem. unwiederbringlichen Schaden für den w elt­weit einzigartigen Schatz natürlicher Maissorten. Auf Intervention der Bush Regierung wird diese Studie jedoch bis heute geheim gehalten.(16) Dass trotz, genauer; gerade wegen unterdrückter Risikoforschung die Grüne Gentechnik weltweit auf dem Vormarsch ist, dürfte einem. wissenschaftl ichen Taschenspielertrick zu verdanken sein. renn der von FAO und WHO 1996 angenommene Standard zur Risikoabschätzung von gentechnisch veränder­ ten Nahrungsmitteln ist geradezu eine Aufforderung zur Manipulation. Nach diesem "Prinzip der substanziellen Äquivalenz" gilt ein Lebensmittel dann als sicher, wenn es einem herkömmlichen Lebensmittel gegenüber als gleich­wertig angesehen werden kann. Darüber aber, wann diese Gleichwertigk eit vorliegt, sagt das Prinzip nichts aus. An einer schnellen Zulassung eines Lebensmittels interessierte Wissenschaftler können sich daher nach Bel ieben immer diejenigen Eigenschaften aussuchen, bei denen am Schluss am ein­fachsten und sichersten eine Gleichwertigkeit herauskommt. Würde man d ie­ses Konzept auf die Risikoabschätzung von atomaren Brennelementen anwenden, könnten sich die Forscher auswählen, ob sie auf die allein ent ­scheidende Strahlendosis oder auf die Farbe der Brennelemente abstellen, um. die Gleichwertigkeit mit sicheren Stoffen festzustellen. So verwundert es nicht, dass bis heute weltweit praktisch alle Lebensmittel diesen "Sicherheit­stest " bestanden. Und obwohl dieses "Prinzip der substanziellen Äquivalenz " bereits 1999 von 600 Wissenschaftlern aus 72 Ländern heftig kritisiert wurde, (17) ist es bis heute der herrschende wissenschaftliche Standard zur Untersuchung von Gen Nahrungsmitteln. Eine undurchsichtige Rolle bei der Einführung der agroindustriellen Gen­technik spielt auch die erst 2002 gegründete Europäische Lebensmitte lbe­hörde EFSA. Ihre Aufgabe sollte es eigentlich sein, die EU Kommission mit unabhängigem wissenschaftlichen Sachverstand bei ihren Risikobewer tun­gen zu unterstützen. In der Praxis tut sie sich allerdings bisher vor alle. in der Erteilung von Persilscheinen für die Agroindustrie hervor .. Von fast allen EU­-Mitgliedstaaten erhobene, wissenschaftlich begründete Sicherheitsbeden­ken werden regelmäßig von der EU Kommission unte r Verweis auf die Stel­lungnahmen der EFSA vom Tisch gewischt. Schaut man sich dann die Zusammensetzung dieses Gremiums genauer an, tauchen interess ante Ver­bindungen zwischen diesen "unabhängigen" Wissenschaftlern und der Agro Industrie auf: Der eine hat Beraterverträge mit dieser Biotechti rma, der andere hält Aktienpakete von jener, und die zwei deutschen Wissenschaftler treten gar in Werbefilmen auf, die für Aventis, BASF, Monsanto und Co. zur Bewerbung der Grünen Gentechnik produziert wurden. (18) Da die meisten Menschen, gerade in Europa, aber trotz all dieser Bemühun­gen Agro Gentechnik ablehnen, ließ man sich Prestige Projekte wie Gold en Rice einfallen, mit denen das Image dieser Risikotechnologie verbessert wer­den soll. Und auch hier spielen Wissenschaftler eine zentrale Rolle. Mit hohen Subventionen von der EU gefördert, wird hier an Gen Reis reit eingebautem Beta Carotin geforscht, welches dann im Körper Vitamin A produ ziert und so gegen Blindheit helfen und einen höheren Infektionsschutz liefern soll. In den Entwicklungsländern, wo sich Millionen Menschen vorwie gend von Reis ernähren, ist nämlich gerade der Vitamin A Mangel nach den Erkenntnissen der Biotech Konzerne ein schwerwiegendes Problem.. So sprec hen Pharma-­Manager von wissenschaftlichen Studien, die ergeben hätten, dass jeden Monat 50 000 Kinder die Verzögerung der Einführung dieses W undermittels mit Erblindung bezahlen müssten.(19) Zwar haben Versuche von Monsanto in der Tat eine Erhöhung des Provitamin A Gehalts durch Gen Rei s ergeben - allerdings nur auf Kosten eines markant gesunkenen, ebenso wichtigen Vitamin E Anteils. Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse legen d en Schluss nahe, dass goldener Reis allein den Vitamin A Mangel und die damit verbundene Blindheit nur geringfügig zu reduzieren vermag, da der wahr e Grund für die Mangelerscheinungen durchfallähnliche Erkrankungen in den Entwicklungsländern sind. Außerdem gibt es in Indien, einem der Ziel länder für diese gentechnische Zwangsbeglückung, mit der natürlichen Sorte "Roter Reis" ein Nahrungsmittel, das sogar mehr Vitamin A enthält als das angeprie­sene Industrieprodukt.(20) Der Golden Rice ist also schlicht überflüssig - so sehen es jedenfalls Gruppen wie Brot für die W elt. Auch das sonstige Verhalten der Biotech Konzerne in den Regionen der "Dritten Welt" bestätigt nicht die seitens der Konzerne so ostentativ vorge­b rachte Sorgen um die Gesundheit der dort lebenden Menschen. So verlauft etwa Bayer in Indien Insektenvernichtungsmittel, die in der EU schon lange ver boten sind, und nimmt damit schwere Gesundheitsschäden und Todesfälle unter den indischen Baumwollarbeitern in Kauf. Dennoch übernehmen füh­ rende Politiker, wie der scheidende baden württembergische Ministerpräsi­dent Erwin Teufel, kritiklos die PR von Golden Rice selbstverständlic h unter Verweis auf "unabhängige' Experten. (21) Auch in Deutschland wächst der unheilvolle Filz zwischen Wissenschaft und :Kommerz. So machten im Oktober 2004 die beiden Wissenschaftsmana­ger Er nst Ludwig Winnacker (DFG) und Hans Olaf Henkel (Leibniz Gemein­schaft) an der Spitze einer Allianz der großen Wissenschaftsorganisationen Front g egen das neue Gentechnikgesetz, welches "die Zukunftschancen unserer Jugend" verspiele. Nun ist es das gute Recht von Wissenschaftsorga­nisationen, auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Problematisch wird es aber, wenn solche Personen als Vertreter edler Wissenschaft auftreten und, wie Winna cker, nebenbei im Aufsichtsrat von Bayer sitzen und sogar Aufsichtsratsvorsitzender der ebenfalls in Gentechnik investierenden Firma Medigene sind. Ge radezu grotesk wird es, wenn ein Wissenschaftsvertreter wie Henkel im gleichen Atemzug von "überflüssigen Windrädem" spricht, brachten diese doc h einen riesigen lnnovationsschub für die deutsche lngenieurskunst, Exportrekorde und Zehntausende neuer Arbeitsplätze - also weit mehr als die Ag ro Gentechnik, deren erklärtes Ziel ja ohnehin Rationalisierung und damit Arbeitsplatzabbau ist. Dies zeigt, wie sehr das neolibe­rale Dogma das D enken der Wissenschaft inzwischen korrumpiert hat. Die verheerende Rolle der Medien Eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung der Grünen Gentechnik spielen die den Industriewissenschaftlern zugetanen Medien. So titelte etwa das "Time Magazine'", dass der Golden Rice "jedes Jahr einer Million Kinder das Leben retten` könnte (22). Dass ein paar Jahre später selbst Biotech Vertre ter einräum­ten, diese Versprechen seien zu vollmundig gewesen, liest man dann allenfalls noch auf den Internetseiten der NGOs. Endgültig verhee rend wird es, wenn es, wie in den USA, kaum noch kritische Massenmedien gibt. Forschungser­gebnisse, die auf gesundheitliche Risiken hinweisen, komm en dort praktisch nicht vor. Stattdessen berichtet das US Network ABC in der besten Sendezeit über Studien, die angeblich belegen, dass Öko Produk te gefährlicher als Industrienahrungsmittel seien. Da wegen der schädlichen Wirkungen von Chemikalien, Hormonen und Antibiotika sowie der fortschr eitenden Verfet­tung der US Bevölkerung medizinisch schon lange das Gegenteil bewiesen ist, distanzierte sich die Senderkette, die große Spenden vom Agro Business bekommt, später zwar halbherzig von diesen verfälschten "Studien". Die beabsichtigte Wirkung in den Köpfen der Menschen war j edoch längst erreicht worden. Aber selbst dieses Eingeständnis hielt die PR Strategen der Biotech-­Industrie nicht davon ab, ihre Propaganda wei ter zu verbreiten. Auch in Deutschland finden die Wissenschaftler des Agro-Business leicht mediale Repräsentanz. So wurden in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FA Z) die besagten Befunde Pusztais durch den Gen Experten der Bundesfor­schungsanstalt für Ernährung als maßlos übertrieben abgekanzelt.(23) D ass dieser Gen "Experte" selbst an Werbekampagnen für Monsanto teilnahm und sein FAZ Beitrag von einer PR Frau von Monsanto mitgeschrieben wurde, er fährt man nur im Kleingedruckten.(24) Ein noch schwerer zu durchschauendes Vorgehen ist das verdeckte Agie­ren der Konzerne mittels vorgeblicher NGOs. So gründeten Bayer, Novartis, Mon santo Europe, Nestlé, Novo Nordisk, Rhône Poulenc und Unilever einen Interessenverband mit dem sympathischen Namen EuropaBio. Dessen Hauptaufgabe ist die lautlose Überzeugungsarbeit bei politischen Entschei­dungsträgern. Aber auch in Fernsehshows treten Vertreter dieses Vereins auf - als überzeugte Ökologen, die den Einsatz der Agro Industrie zurr Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen empfehlen. In ähnlicher weise werden auch Konsumenten, Kleinbauern oder Vertrauen erweckende Mütter gezielt von PR Agenturen als unbedarfte Dritte platziert, um dann vor einen. Massenpublik um die Vorzüge gentechnisch veränderter Lebensmittel zu preisen, wohlgemerkt: nicht in Werbesendungen, sondern im. Hauptprogramm. Eine Medienpräsenz unabhängiger :Kritiker wird hingegen systematisch zu verhindern versucht. Die britische Royal Society machte, wie bereits gezei gt, den Genforscher Pusztai praktisch mundtot. Um kritische Äußerungen künf­tig ganz zu verhindern, greift man inzwischen zu offener Zensur. S o lässt die nächtige Wissenschaftsorganisation nur noch ausgewählte Personen bei Medien Anfragen sprechen.(25) In Deutschland wurde 1998 auch Gr eenpeace ein Zensuropfer. Trotz guter Einschaltquoten wurde die RTL Sendung "Greenpeace TV" nicht fortgesetzt, nachdem sich mächtige Werbekunden wie Nestle wegen der kritischen Haltung von Greenpeace zu Gentech-­Lebensmitteln beschwert hatten Die bewusste Irreführung der Öffentlichkeit erfuh r 2003 sogar die Billigung eines US Berufungsgerichts in Florida; In einem Prozess zwischen dem Sender Fox News und investigativen Journalis­ten, di e sich weigerten, auf Druck von Monsanto einen Bericht über deren gesundheitsschädliche Wachstumshormone zurückzunehmen, bescheinigte das Gerich t dem Sender ausdrücklich das Recht, gefälschte Berichte senden zu dürfen. Der Grund hierfür liegt darin, dass die von Michael Powell, dem Soh n Colin Powells, geleitete US Medienaufsicht FCC das Medienrecht so gelockert hat, dass es keine rechtliche Handhabe mehr gegen solche Manipu­lation en gibt. Die Allianz von "Wissenschaft" und Medien schafft auf diese Weise in den Köpfen der Menschen schleichend falsche Realitäten, die dann wie der von interessierter Seite für ihre Zwecke genutzt werden können. Faktische Gleichschaltung Faktisch lässt sich eine klare Korrelation zwischen der Ausschaltung pluralitischer Entscheidungsprozesse und der Einführung agroindustrieller Gen ­technik feststellen. In den USA, China, Indien und vielen anderen Ländern konnte diese Risikotechnologie dadurch lautlos, ohne nennenswerte öff entli­che Diskussion und gegen die Interessen der Bevölkerung etabliert werden. Zwar gab es vereinzelt Widerstand von NGOs, der aber selten eine e chte Bedrohung für die kommerziellen Interessen der Biotech-Konzerne darstellte. Die Entscheidungsprozesse sind mit demokratischen Prinzipien völlig unvereinbar. Während in vielen Ländern der" Dritten Welt" die gesellschaftli ­che Infrastruktur für eine offene Diskussion gar nicht vorhanden ist, stellt sich die Situation in den USA anders dar. Hier gibt es zwar im Grund satz ein demokratisches Entscheidungssystem mit einer Gewaltenteilung, das aber durch eine faktische Gleichschaltung aller maßgeblichen Machtfaktore n, ein­schließlich der Parteien, gezielt ausgeschaltet wurde.(26) Legislative und Exe­kutive fungieren als Handlanger der Biotech Konzerne, und auch die Judika­tive deckt durch ihre scheinbar sachlichen richterlichen Entscheidungen das Vorgehen der Unternehmen. Für das passende gesellschaf tliche Klima sorgen Medien und Wissenschaft. Statt als vierte und fünfte Gewalt einen ernsthaf­ten Diskurs über die Vor und Nachteile der Grün en Gentechnik zu führen, produzieren sie in der US Bevölkerung eine naive Technikgläubigkeit, die gegenwärtig eine neue Runde der Genforschung einläutet: Bisher aus Sicher­heitsgründen in hermetisch abgeriegelten, geschlossenen Systemen produ­zierte Arzneimittel sollen nun auf dem fr eien Feld wachsen um Kosten zu sparen. Damit hat sich die" unsichtbare Hand" einer alle Subsysteme Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien faktis ch gleichschaltenden neoli­beralen Ideologie in den USA endgültig durchgesetzt. Sieht man von der bedenklichen Korruption des Wissenschaftsbetriebs in Großbritannien einmal ab, stellt sich die Situation in der EU (noch) ein wen ig besser dar. Sowohl auf EU Ebene, vor allem Dank des "grünen Gewissens der EU, dem. Europäischen Parlament, als auch auf der Ebene der Mitglied ­staaten erfolgte die Einführung der Grünen Gentechnik bisher stets in einem zwar hart geführten, aber halbwegs offenen Diskurs. licht zuletzt wegen der starken Stellung öffentlich rechtlicher Sender konnten hier auch kritische Stimmen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft ein gewichtiges Wort mitre­den. Eine bis heute konstante Ablehnung von über 70 Prozent der Bevölke­rung lässt sich zum Glück nicht so ganz einfach über gehen. Doch die Agro Konzerne reagieren bereits mit neuen Gegenstrategien. So wird mit Hülfe geheim gehaltenen .Anbaus auch in Europa versucht, Fakten zu s chaffen. Und auch das Rechtssystem. wird in den Dienst der Konzerne gestellt: Die in Sachen Gentechnik renitente EU wird vor der Welthandelsor­ganis ation WTO wegen Verstoßes gegen Freihandelsprinzipien verklagt und handelspolitisch unter Druck gesetzt. Parallel verwässern die USA als Schutz­ macht der Agro Konzerne die Unterzeichnung des Biosafety Protokolls. Die EU Kommission ihrerseits gibt diesen Druck nach innen weiter und zwingt die e uropäischen Nationen zur Einführung der Risikotechnologie. Immerhin wird Gen Mais und Ähnliches in der EU aber noch immer nur nach einer Risikoabschätzung eingeführt; auch wird der Wahlfreiheit der europ äischen Landwirte und Verbraucher halbwegs Rechnung getragen. An der bedenklichen Instrumentalisierung und Pervertierung des Rechts und anderer gese llschaftlicher Instanzen durch die Agroindustrie ändert dies nichts. renn obwohl die vornehmste Aufgabe des Rechts darin besteht, Min­derheiten un d Schwache zu schützen, geschieht im Falle der Grünen Gen­technik das genaue Gegenteil: Eine zweifelhafte Elite aus Managern, Wissen­schaftler n, Medienvertretern und Politikern missbraucht das Recht und andere Einrichtungen der Demokratie, um dem vermeintlichen Souverän, nämlich dem Volk , eine Risikotechnologie aufzuzwingen, die es nicht will. ---------------------------------------------------------- Literatur: 1. Vgl. www.gmwatch.org/archive2.asp?arcid=3829 2. Zu den Versuchen, im Rahmen der Bindiversitätskonvention hier das Schlimmste zu verhindern, vgl. Peter Tobias Stoll, Genetische Ressourcen, Zugan g und Teilhabe, in: Nina Wolf und Wolfgang Kick (Hg.), 10 Jahre Übereinkommen über die biologische Vielfalt, Baden Baden 2004, S. "73 ff. 3. Vgl. hierzu Charles Benbrook, Do GM crops mean less pesticide use? Pesticide C)utioak 2001. 4. Stanley Ewen und Arpad Pusztai, Efiect of diets contining genetically modilied potatoes expressing Galanthus nivalis lectin in rat small intestine, The Lancet, 354/1999, 5.1353 ff. 5. Gudrun Kordecki, Grüne Gentechnik in Europa, in: "Blätter",11/2002, 5.1388 1390. 6. Im Gegensatz etwa zur Stammzellenforschung, einem wichtigen Bereich der so genannten Roten (medizinischen) Gentechnik. 7. Vgl. das Interview mit dem Biologen Ingacio Chapela, in: Theresia Schleierling, Gen ethischer Informationsdienst, 4/2004, S. 8 ff. 8. VgI. "Die Zeit", 37/2000. 9. Ein umfassendes Dossier über Sainsbury findet sich bei www.gmwatch.org/profile1.asp?PrId=116&page=A 10. Vgl. www.projectcensored.org/publications/2005/21.html 11. So veranstalte der US Kongress am 29.6.2000 eine medienwirksame Tagung mit dem Titel: " Kann Biotechnologie den Hunger in der Welt besiegen". Vgl. auch Tanja Brühl, Biotechnologie gegen den Hunger? In: "Blätter`, 1/1997, S. 22 25. 12. Umfangreiche Nachweise hierzu beim Institute of Science in Society, London, sowie auf der Internetseite des Independent Science Panel, www.indsp.o rg 13. Interview mit dem.,loumallsten Devinder Sharrna vorn 1. 1 1.2994, www.greenpeace.org 14. Vgl The Guardian",1.11.1999, sowie www.zeit.de/1999/91199909genkartoffel.html 15. Theresia Schleierling, Gen ethischer Informationsdienst, 4/2004, S. 8 ff. 16. Die Studie wurde Greenpeace zugespielt, vgl. www.greenpeace.org/international/news/bush-suppresses-ge-crop-warnin 17. Vgl. hierzu The Institute of Science in Society, London; Open Letter from World scientists to All Governrnents for a moratorium an releases of OMU s and support for organic agriculture, www.isis.org.uk 18. Es handelt sich dabei um den Werbefilm "Genmals - das streitbare Korn" von 2002. Vgl. insgesamt das detaillierte Dossier der Friends of the Earth, Throwing caution to the wind 2004; vgl. hierzu auch "die tageszeitung ", 7..3.2005. 19. "Die Zeit", 30/2003, 20. So Afsar Jafri von der Forschungsstifung für Wissenschaft, Technologie und Ökologie in Neu Delhi im Interview des Deutschlandfunks, 30.10.2004 .. 21. So gehörte denn Expertengrernium, das Erwin Teufel am 12. 1 1.2004 in Sachen Grüner Gentechnik anhörte, u.a. Professor Claus Dieter Jany von der Bundesanstalt für Ernährung in Karlsruhe an, der gern auch mal nebenher auf PR Tour für Monsanto geht. 22. "Time", 31.7.2000. 23. "Frankfurter Allgemeine Zeitung", 17.3.1999. 24. Vgl. hierzu Hans Ulrich Grimm, Die Suppe lügt. Die schöne neue Welt des Essens, München 1999, 272 ff. 25. www.isis.org/isisnews17.shtml 26. Vgl. Kristina Borjesson (Hg.): Zensor USA. Wie die amerikanische Presse zum Schweigen gebracht wird, Zürich 2004. -- [* Dieser Text wurde mit einem Texterkennungsprogramm eingelesen und enthält daher entsprechende Fehler - insbesondere fehlen viele Bindestriche u nd einzelne Buchstaben sind vertauscht; d.Red.]




England: Gentechpflanzen "ruinieren die Felder für 15 Jahre"

Wenn ein Bauer einmal Gentech-Raps anbaut, ist eine Rückkehr zu unmanipuliertem

Raps kaum mehr möglich. Rapssamen bleiben viele Jahre lang keimfähig im Boden

und kontaminieren nächste Ernten. Selbst 15 Jahre nach der letzten Gentechsaat

ist die Kontamination mit GVOs immer noch grösser als die erlaubte
Deklarationslimite.

Die Studie, die von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, bemerkt, dass eine

"Koexistenz" von manipuliertem und unmanipulierten Raps vor "einem potentiell

schweren Problem" stehe. Sie hat alle überrascht.
(Independent, 9.10.05)




Bittere Erfahrungen mit Gen-Pflanzen
Über erschreckende Erfahrungen beim Anbau von gentechnisch verändertem Mais
berichtete gestern der philippinische Forscher Raymundo Rovillos in Linz.

Krankheiten bei Mensch und Tier, Verarmung der Kleinbauern, mangelnde
Kennzeichnung: Das sind die Erfahrungen, die der Forscher rund um den Anbau
von so genanntem Bt-11-Mais (Syngenta) auf den Philippinen gesammelt hat.
Interessante Daten, insbesondere für Oberösterreich, steht doch Anfang
Oktober die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs an, hinsichtlich des
hierzulande beschlossenen Verbots für gentechnisch veränderte Pflanzen in der
Landwirtschaft.

Rovillas berichtete über gesundheitliche Beschwerden von Bauern und
Landarbeitern, die mit Insektiziden und Pestiziden aus den Chemieküchen der
Agrarchemiekonzerne Syngenta, Monsanto und Pioneer in Berührung kamen.

"Korrupte Funktionäre des Landwirtschaftsministeriums und Vertreter der
Konzerne versprachen den Bauern höher Gewinne durch Anbau von Bt-Mais", sagte
Rovillas. Real sei es jedoch oft zu Einkommenseinbußen der Bauern gekommen,
ausgelöst durch teures, patentiertes Saatgut und teure Pflanzenschutzmittel
aus derselben Quelle. "Gentechisch veränderte Organismen produzieren mehr
Einkommen für die Konzerne, nicht für die Bauern", so Rovillas.

Der Boden und die Bodenlebewesen würden vergiftet, und jene Pflanzen, die an
Genmais-Felder angrenzen, verdorrten. Zudem seien bisher auf den Philippinen
unbekannte Sekundär-Pflanzenkrankheiten (Bakterienbefall) aufgetreten.

Dazu komme, dass mit der Deklaration von Gen-Mais auch im Export nachlässig
umgangen werde.




3 Fragen an ... Raymundo Rovillos
Raymundo Rovillos arbeitet für die landwirtschaftliche Initiative SIBAT
(www.sibat.org) auf den Philippinen, gilt als Experte für nachhaltige
Landwirtschaft, Züchtung und Sortenvielfalt und als Kritiker des
Gentechnik-einsatzes in der Landwirtschaft.

OÖN: Sie haben in einer Studie an Bauern und Landarbeitern
gesundheitsschädliche Auswirkungen von Gen-Mais untersucht. Wie stellen die
sich dar?

Rovillos: Insbesondere während der Blütezeit des Mais wird vom Großteil der
Untersuchten über Kopfschmerzen, Nasenbluten, Fieber, Erbrechen, Juckreiz,
tränende Augen und generelle Immunschwäche geklagt.

OÖN: Und das hängt ultimativ zusammen dem mit den genveränderten Pflanzen,
respektive dem damit verbundenen Pestizid- und Insektizideinsatz?

Rovillos: Eine kausale Verbindung kann ich nicht hundertprozentig bestätigen.
Aber wir haben die große Sorge, dass das zusammenhängt.

OÖN: Wie reagieren offizielle Stellen auf ihre Untersuchung?

Rovillos: Man wirft uns vor, nicht wissenschaftlich zu arbeiten. Auf der
anderen Seite hatten die untersuchten Bauern und Landarbeiter vor dem Umstieg
auf genverändertes Saatgut keine gesundheitlichen Beschwerden. Untersuchungen
von Blutproben stützen die These, dass die Pflanzengifte der Gen-Konzerne
dafür verantwortlich sind.

OÖnachrichten vom 21.09.2005
http://www.nachrichten.at/leben/387627
http://www.nachrichten.at/leben/387630




Biologisch sauberes Kulturgut

Von Barbara Hobom

11. August 2005
Ein kostbarer mexikanischer Schatz, der heimische Mais, scheint nicht von
fremdem Erbgut bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanisch-mexikanische
Forschergruppe, die in den mehr als hundertfünfzigtausend untersuchten
Maiskörnern von lokalen Feldern kein genetisches Material transgener
Kulturpflanzen gefunden hat.
Ihre Untersuchungen beziehen sich auf die Ernten der Jahre 2003 und 2004 in
einem bestimmten Distrikt der Provinz Oaxaca. Ganz anders sah die Situation im
Jahr 2000 aus. Damals hatte ein anderes amerikanisch-mexikanisches Forscherteam
Fremdgene von gentechnisch veränderten Maissorten in Maiskörnern von Feldern in
Oaxaca gefunden.

2000 und 2001 fremde Gene im Mais

Die Wissenschaftler hatten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift "Nature"
publiziert. Ihre Beobachtungen hatten seinerzeit für große Aufregung gesorgt.
Die Entdeckung von fremdem Erbmaterial in heimischem Mais wog um so schwerer,
als der Anbau transgener Pflanzen in Mexiko nicht erlaubt ist. Mexiko ist die
Wiege des Mais, und nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele lokale
Varianten dieser Pflanze. Sie werden von den heimischen Bauern angebaut und zur
Verbesserung auch miteinander gekreuzt.
Das seit 1998 bestehende Moratorium zum Anbau transgener Pflanzen zielt daher
vor allem darauf ab, die große natürliche Vielfalt des Mais vor fremden Genen zu
schützen. Um sich zu überzeugen, daß sich in heimischem Mais tatsächlich
vereinzelt fremde Gene eingeschlichen hatten, hatten damals drei Institutionen
der mexikanischen Regierung in Maiskörnern aus derselben Region ebenfalls nach
transgenem Erbmaterial gesucht, und zwar das Nationale Institut für Ökologie,
die Nationale Kommission für Biodiversität sowie die Interministerielle
Kommission für die Biologische Sicherheit. Alle drei Gruppen wiesen in lokalem
Mais aus den Jahren 2000 und 2001 in geringen Mengen transgenes Erbmaterial
nach.

Nur Vortäuschung?

Wie die fremden Gene in die Maisproben gelangten, blieb rätselhaft. Es herrschte
die allgemeine Auffassung vor, daß das fremde Erbmaterial von aus den
Vereinigten Staaten stammendem transgenen Mais stammte, der dort in riesigen
Mengen angebaut wird. Mexiko importiert aus den Vereinigten Staaten im Jahr
mehrere Millionen Tonnen Mais für Nahrungsmittel und Futter, und zwar sowohl
konventionellen als auch transgenen Mais.

Es gab Hinweise, daß manche Landwirte, möglicherweise unbewußt, amerikanischen
transgenen Mais angepflanzt hatten. Von diesem scheint genetisches Material in
lokale Sorten eingekreuzt worden zu sein. Außerdem könnten sich nach Ansicht der
Wissenschaftler in dem gepoolten Erntegut auch Körner von transgenem
amerikanischen Mais befunden haben, die eine Anwesenheit fremder Gene in
heimischem Mais nur vorgetäuscht haben könnten.

Keine Fremdgene gefunden

Weil die über Jahrtausende gewachsene Vielfalt des mexikanischen Mais ein
unersetzliches Kulturgut für das Land bedeutet, ist das mexikanische Nationale
Institut für Ökologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Evolution, Ökologie
und Biodiversität der Ohio State University nun noch einmal der Frage nach
Transgenen in Maiskörnern Oaxacas nachgegangen.

Wie die Wissenschaftler um A. Snow in der aktuellen Early Edition der
"Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaftler
berichten, haben sie von den Ernten der Jahre 2003 und 2004 insgesamt 153.746
Maiskörner analysiert, die von 870 Pflanzen von 125 Feldern in 18 Regionen
Oaxacas stammten. Sie zermahlten jeweils mehrere tausend Körner eines Feldes und
suchten dann mit dem üblichen PCR-Verfahren (Polymerasekettenreaktion) nach zwei
Sorten fremden Erbmaterials. In keiner einzigen Probe konnten sie Fremdgene
finden. Sie wollen die früheren Beobachtungen ihrer Kollegen jedoch nicht
grundsätzlich in Frage stellen.

Staatlicher Schutz

Sollte der heimische Mais vor drei Jahren tatsächlich fremdes Erbmaterial
aufgenommen haben, so haben sich die Transgene offenbar nicht durchgesetzt und
sind wieder verschwunden. Die Regierung hatte die Landwirte nach dem Auffinden
fremder Gene im Mais seinerzeit intensiv über das bestehende Moratorium
aufgeklärt, das den Anbau transgener Pflanzen verbietet.

Dies könnte ein weiterer Grund dafür sein, daß man in den darauffolgenden Jahren
kein fremdes Erbmaterial mehr in Maiskörnern fand. Um das Kulturgut Mais
bestmöglich zu schützen, hat die mexikanische Regierung inzwischen ein Gesetz
erlassen, das den heimischen Mais und andere Pflanzen, deren Heimat Mexiko ist,
in besonderer Weise vor dem Einkreuzen fremder Gene schützt.
http://www.faz.net/s/Rub268AB64801534CF288DF93BB89F2D797/Doc~EBAED6CB69EDC4C03A648AF6BF5D3DAC7~ATpl~Ecommon~Scontent.html




Presseerklaerung vom 30. August 2005

Mueller bleibt stur - Milch wird von Gen-Maisbauern produziert

Greenpeace: Andere Molkereien kommen Verbraucherwuenschen entgegen

Aretsried/Bayern, 30. 8. 2005 - Vor der Firmenzentrale des Molkereikonzerns
Muellermilch in Aretsried bei Augsburg protestiert Greenpeace heute gegen
die Verfuetterung von genmanipuliertem Mais an Milchkuehe. Die
Umweltschutzorganisation hat vergangene Woche aufgedeckt, dass
Gen-Maisbauern aus Brandenburg und Sachsen ihre Milch an die Grossmolkerei
liefern. Damit der umstrittene Mais nicht an Milchkuehe verfuettert wird,
haben Verbraucher in bislang sechs deutschen Staedten den
Greenpeace-Protest unterstuetzt und sich letzte Woche mit Protestschildern
fotografieren lassen. Einige der Fotos praesentiert Greenpeace heute im
Grossformat vor der Mueller-Zentrale mit der Forderung, die Milch dieser
Landwirte nicht fuer Milchprodukte zu verwenden.

"Mueller ist mitverantwortlich fuer den Anbau von Gen-Mais in Deutschland,
wenn er Milch von Gen-Bauern kauft_, sagt Ulrike Brendel,
Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. "Die Verfuetterung des Gen-Maises an
Milchkuehe muss ausgeschlossen werden. Auf Gen-Mais im Futtertrog zu
verzichten, ist ein Kinderspiel. Andere Molkerei-Unternehmen haben das
laengst vorgemacht._

Die auf Babynahrung spezialisierte, zweitgroesste deutsche Molkerei Humana
Milchunion, hat ihre zuliefernden Landwirte bereits verpflichtet, den
deutschen Gen-Mais nicht zu verfuettern. Auch der Konzern Landliebe/Campina
ist im Gespraech mit Greenpeace. Beide Unternehmen wollen jedoch noch nicht
vollstaendig auf Gen-Pflanzen im Futter, wie importierte Gen-Soja,
verzichten. Dabei ist auch dies moeglich: Die Uplaender Bauernmolkerei
vertreibt seit Juni dieses Jahres Milch mit dem Siegel "ohne Gentechnik_,
die Grossmolkerei NOeM AG in Oesterreich hat ihre gesamten
Frischmilch-Produkte auf "Gentechnikfrei_ umgestellt. Auch in der Schweiz
und in Schweden haben Lebensmittelhersteller durchgesetzt, dass keine
Gen-Pflanzen in der Milchvieh-Fuetterung verwendet werden.

"Mueller bleibt stur und beschaedigt so sein Markenimage. Die Mehrheit der
Verbraucher lehnt Gentechnik ab. Die Risikotechnik hat deshalb im
Futtertrog der Milchkuehe nichts zu suchen_, sagt Brendel. Greenpeace hatte
bereits im Jahr 2004 genmanipulierte Soja im Milchkuh-Futter von
Muellermilch-Lieferanten nachgewiesen. Seitdem prozessiert Mueller gegen
Greenpeace anstatt seine Milchproduktion umzustellen.

Weltweit kaempft Greenpeace gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen, da
sie Oekosysteme und die gentechnikfreie Landwirtschaft zerstoeren koennen.
Auch gesundheitliche Risiken sind noch weitgehend unerforscht. In
Deutschland wird dieses Jahr auf rund 345 Hektar Gen-Mais angebaut. Die
Pflanze produziert ein Gift, das auf Schaedlinge wie den Maiszuensler
toedlich wirkt. Das Bt-Gift kann jedoch auch geschuetzte Insekten
schaedigen und sich im Boden anreichern. Oesterreich, Ungarn, Griechenland
und Polen haben den Anbau des Gen-Maises verboten. Nur in Spanien,
Tschechien und Deutschland wird der Gen-Mais kommerziell angebaut.




Roundup und das globale Amphibiensterben
Florian Rötzer 04.08.2005

Nach Studien von US-Wissenschaftlern könnte das profitabelste Produkt des
Monsanto-Konzerns, wichtig auch für den Vertrieb des genveränderten
Saatguts, für den mysteriösen Rückgang von Fröschen und Kröten
verantwortlich sein

Seit Jahren ist zu beobachten, dass die Zahl der Frösche und anderen
Amphibien kontinuierlich und weltweit zurückgeht. Es wurden viele
Vermutungen über dieses Verschwinden angestellt. So dachte man
beispielsweise, dass es sich um eine Seuche (Viren oder Pilze) handeln
könnte, andere meinten, es könnte mit verstärkter ultravioletter Strahlung
zusammen hängen, die Kaulquappen nicht aushalten. Auch auf Pestizide fiel
neben anderen Umweltfaktoren wie der Klimaerwärmung der Verdacht. Der
Biologe Rick Relyea hat nun mit seinem Team von der University of Pittsburg
(1) zeigen können, dass das globale Froschsterben möglicherweise mit dem
Herbizid Roundup, das weltweit am meisten verwendet wird, zusammen hängen
könnte. Bislang war man davon ausgegangen, dass es für Amphibien unschädlich
ist.

Roundup wirkt auf Kaulquappen schon in weitaus geringeren Konzentrationen,
als man dies bislang geglaubt, schreiben (2) die Wissenschaftler in zwei
Artikeln (3) in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Ecological
Applications. Die Auflösung des Herbizids, das von dem Konzern Monsanto (4)
vertrieben und auch in Verbindung mit resistenten genveränderten Pflanzen
angeboten wird.

Auch wenn das Herbizid sich im Boden verteilt, büßt es seine chemischen
Wirkungen nicht ein und tötet neben Kröten auch Frösche. Und selbst wenn man
nur ein Drittel der Konzentration verwendet, die als Maximum in der Natur
angesehen wird, sterben daran 71 Prozent der Kaulquappen, die in Behältern
unter Außenweltbedingungen aufwuchsen. Die Hinzufügung von Erde, die
angeblich das Herbizid aufnimmt, änderte an der Todesrate nichts. Und als
die Wissenschaftler die Kaulquappen, der maximalen Konzentration aussetzten,
die bei Anwendung des Herbizids entstehen soll, starben fast alle
Kaulquappen von drei Froscharten.

Roundup ist zwar nicht für die Anwendung im Wasser zugelassen, aber das
Herbizid kann sich, wie die Wissenschaftler sagen, durch unbeabsichtigtes
Versprühen auch in kleinen Feuchtarealen ansammeln, in denen normalerweise
Kaulquappen heranwachsen. Für ausgewachsene Frösche ist das Herbizid, das
auch Gartenbesitzer zur Bekämpfung von Unkraut einsetzen, ebenso gefährlich.
Wird die von Monsanto empfohlene Menge verwendet, sterben bis zu 86 Prozent
der Frösche, die sich auf dem Trockenen aufhalten, innerhalb eines Tages.

--Das überraschendste Ergebnis aus den Experimenten ist, dass eine
Chemikalie, die enwtickelt wurrde, um Pflanzen zu abzutöten, innerhalb von
drei Wochen 98 Prozent aller Kaulquappen und innerhalb von einem Tag 79
Prozent aller Frösche tötete.-- Rick A. Relyea

Frühere Untersuchungen hatten bereits ergeben, dass nicht das aktive Herbizid
Glyphosat in Roundup die Amphibien tötet, sondern der Wirkstoff Tallowamin,
der hinzugefügt wird, damit das Herbizid in die Blätter der Pflanzen
eindringt. Glyphosat, das sich biologisch abbauen soll, ist für viele
Pflanzen toxisch, angeblich aber nicht für Tiere und den Menschen.

Die wissenschaftliche Studie rief natürlich sofort die Kritik (5) von
Monsanto hervor, schließlich handelt es bei Roundup (6), das seit 1974 auf
dem Markt ist, um das profitabelste Produkt des Konzerns. Zudem ist es eng
verknüpft mit dem von Monsanto entwickelten genveränderten Nutzpflanzen.
Versprochen wird mit dem Anbau von genveränderten Pflanzen, die ein
Bakteriengen enthalten, das sie gegen Roundup schützt, dass weniger
Herbizide als beim Anbau konventioneller Sorten angewendet werden müssten.
Beobachtet wurde allerdings auch bereits, dass manche "Unkräuter" gegen
Roundup resistent wurden und es dann doch wieder vermehrt eingesetzt werden
muss oder gar nicht mehr hilft.

Monsanto wendet gegen die Studie ein, sie sei nicht unter "realistischen"
Bedingungen erfolgt. So sei Roundup eben nicht für die Anwendung über Wasser
vorgesehen, dafür gebe es andere Produkte. Allerdings heißt es in einem
Flyer (7) von Monsanto: "Keine Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern".
Das muss doch wohl so verstanden werden, dass auch unbeabsichtigtes
Versprühen auf eine Wasserfläche unbedenklich sein soll. Relyea entgegnet
(8) denn auch, dass er untersucht habe, wie unbeabsichtigtes oder nicht
vermeidbares Versprühen über eine Wasserfläche von 1.000 Liter wirkt.

Die Anwendungsmenge sei viel zu hoch, schreibt Monsanto, der Wissenschaftler
sagt, er habe genau die vom Konzern angegebene Menge verwendet. So geht bes
hin und her, Monsanto sieht dabei allerdings schlecht aus. Eine Art
Unbedenklichkeitsstudie aus dem Jahr 2000 war im Auftrag von Monsanto
erstellt worden, was nicht für unbedingte Objektivität garantiert. Relyea
betont, dass seine Untersuchungen nur für Glysophat-Herbizide mit dem Zusatz
von Tallowamin gelten. Und: "All work was funded by the United States
government's National Science Foundation. This research has no
anti-pesticide, anti-agriculture, or anti-forestry agenda."

LINKS

http://www.telepolis.de/r4/artikel/20/20660/1.html

(1) http://www.pitt.edu/
(2) http://www.esajournals.org/esaonline/?request=get-abstract&issn=1051-0761&volume=015&issue=04&page=1125
(3) http://www.esajournals.org/esaonline/?request=get-abstract&issn=1051-0761&volume=15&issue=4&page=1118
(4) http://www.monsanto.de/
(5) http://www.monsanto.co.uk/news/ukshowlib.phtml?uid=8800
(6) http://www.roundup.de/
(7) http://www.roundup.de/pdf/RZ_Flyer_Handout_2.pdf
(8) http://www.pitt.edu/~relyea/Roundup.html




Hallo Leute!

Die PE der Aktion 'Gendreck-weg!' widerspricht in einigen wesentlichen
Punkten der heutigen Meldung der 'taz'. Ich werde mich bemühen, mit
Augenzeugen Kontakt aufzunehmen und geneueres in Erfahrung zu
bringen.

Ciao
Klaus Schramm
klaus.schramm@bund.net


Presseerklärung

*Gendreck-Feldbefreiung erfolgreich *
Strausberg-Hohenstein, 1. August, 12.00 Uhr

Auch wenn nicht alle Feldbefreier den Monsanto-Genacker von Bauer
Pipreck erreicht haben gelang es doch einigen der über 300 Teilnehmer,
auf den umstrittenen Acker zu gelangen. Eine Fläche von 600 Quadratmeter
wurde durch Herausreißen der Pflanzen unschädlich gemacht. Mit einem
massiven Großaufgebot von mehreren Hundertschaften, Pferden und
Hundestaffeln sowie Hubschraubern versuchte die Polizei, das umstrittene
Feld im brandenburgischen Naturpark in Hohenstein zu schützen Auch die
massive Polizeipräsenz schreckte die Feldbefreier nicht ab. Landwirte,
Imker, Gärtner und Verbraucher aus Deutschland, Österreich, Schweiz und
Frankreich waren angereist, um ihrem Widerstand gegen die
Agro-Gentechnik Ausdruck zu verleihen. 78 der Feldbefreier wurden
verhaftet und noch am Abend auf freien Fuß gesetzt. Der friedliche
Verlauf der Feldbefreiung hat auf allen Seiten Sympathien erzeugt.

Die friedliche Entschlossenheit der Feldbefreier wurde durch eine
Delegation französischer Bauern unterstützt. „Auch wir in Frankreich
lehnen Agro-Gentechnik ab und lassen kein Genfeld mehr stehen. Unser
Staat schütze uns nicht vor den Gefahren der Gentechnik, daher handeln
wir in Notwehr und schützen uns selbst,“ so Marc Bienne, einer der
Sprecher der französischen Initiative, der mittlerweile über 5000
„Freiwillige Mäher“ angehören. Die Initiatoren der Bewegung „Gendreck

weg“ sind zuversichtlich, dass dieser Warnschuß in Richtung Politik
seine Wirkung nicht verfehlt und ein Anbauverbot für diese
Risikotechnologie erlassen wird. „Die heutige Feldbefreiung ist auch ein
Signal an alle Landwirte. Wer weiterhin gentechnisch veränderte
Organismen in Deutschland anbaut, muß damit rechnen, dass er keine
Genernte einbringen kann“, so der Imkermeister Jürgen Binder, der als
einer der ersten in Polizeigewahrsam genommen wurde.

„In einer Demokratie muss die Politik den Willen der Mehrheit der
Bürgerinnen und Bürger respektieren. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung

die Gentechnik ablehnt darf bei uns genmanipuliertes Saatgut ausgesät
werden, mit unabsehbaren folgen für Mensch und Tier“, ergänzt der
Agraringenieur Michael Grolm, ebenfalls einer der Initiatoren von
Gendreck weg.

Gendreck weg fordert Piprek auf, den Mais sofort unterzupflügen und zu
vernichten. Nur dadurch könne verhindert werden, dass sich die Pollen
auf Nachbarfelder ausbreiten. Ein Nebeneinander von Agro-Gentechnik und
traditioneller Zucht- und Anbauverfahren sei nicht möglich, da sich das
manipulierte Erbgut unkontrolliert ausbreite.

Die Freiwilligen Feldbefreier erwarten von allen Parteien, dass Sie sich
im Wahlkampf eindeutig zum Thema Gentechnik positionieren. Bis zu einem
endgültigen Anbauverbot von gentechnisch veränderten Organismen wollen
die Feldbefreier weitere Gentechnikfelder in „Sicherheitsverwahrung“ nehmen.

Rückfragen bitte an

Michael Grolm, Dipl. Agraringenieur: Tel. 0170-1087174.
Jürgen Binder, Imkermeister:Tel.: 0170-1857424
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

http://www.taz.de/pt/2005/08/01/a0130.nf/text

Polizei schützt Genmais vor Gegnern

Gentech-GegnerInnen hatten zum "Tanz in den Mais" in einem brandenburgischen

Dorf aufgerufen - und wurden gestoppt.
Politik und Verbände streiten über Sinn und Unsinn der Aktion. Deren Initiator

freut sich über die Aufmerksamkeit

AUS HOHENSTEIN ULRICH SCHULTE

Sage niemand, die brandenburgische Polizei gebe nicht auf das örtliche Getreide

Acht. Mehrere Hundertschaften samt Räumpanzer und Hubschrauber bewahrten gestern

ein Maisfeld davor, umgegraben zu werden.

Rund 300 DemonstrantInnen waren zum "Tanz in den Mais" nach Hohenstein gekommen,

in ein Dorf, gut 30 Kilometer östlich von Berlin. Auf einem 50 Hektar großen

Feld des Landwirts Jörg Piprek wächst hier gentechnisch veränderter Mais.

Er wächst immer noch. Ihr Ziel, das öffentliche Platttrampeln mit vorheriger

Ansage, haben die Aktivisten nicht erreicht. Weiträumig hatte die Polizei das

Gelände abgesperrt. Am Nachmittag fanden wahre Treibjagden auf DemonstrantInnen

statt, die sich dem Feld nähern wollten. Eine Frau wurde von einem Polizeihund

gebissen.

Die Aktion, die der 33-jährige Agraringenieur Michael Grolm initiiert hat,

stellt ein Novum dar. Zwar hatten Gentechnik-GegnerInnen schon mehrmals
Maispflanzungen umgegraben - immer jedoch in geheimer Mission. Grolm dagegen

hatte die Verwüstung in aller Öffentlichkeit geplant. Er suchte in Anzeigen und

im Internet unter www.gendreck-weg.de UnterstützerInnen und lud selbst die

Polizei ein. "Mit unserem zivilen Ungehorsam greifen wir die Meinung der
Mehrheit der Menschen auf", sagte Grolm gestern. Laut Umfragen lehnen zwei
Drittel aller Deutschen genveränderte Produkte ab.

Schon am Samstag hatten die Gentech-GegnerInnen den gewaltfreien Widerstand
geprobt und mit Bauer Piprek auf einer Podiumsveranstaltung debattiert. Die
Auflagen der Polizei waren streng. Die DemonstrantInnen durften sich dem Feld

gestern nur bis auf 250 Meter nähern. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm

hatte zuvor gedroht, für jeden Naturschützer einen Polizisten zu entsenden. Der

CDU-Hardliner hielt Wort. Grolm zeigte sich erfreut: "Durch das große Aufgebot

machen wir auf den Skandal aufmerksam, dass bei der Gentechnik vollendete
Tatsachen geschaffen werden."

Bereits in den Tagen zuvor hatte Hohenstein Politik und Verbände beschäftigt.

Die grüne Verbaucherschutzministerin Renate Künast geißelte das Umgraben als

"Unsinn". Derlei würde unterbleiben, wenn die Opposition endliche aufhöre, den

Menschen Gentechnik aufzwingen zu wollen. CDU-Genfachmann Helmut Heiderich ätzte

zurück, die Gentechnik sei kein Risiko.

Der Umweltverband BUND und mehrere kirchliche Organisationen teilen zwar viele

Ansichten der DemonstrantInnen, lehnen jedoch die Zerstörung von Feldern ab. Es

sei stattdessen notwendig, die LandwirtInnen durch Argumente zu überzeugen,

sagte ein BUND-Sprecher.




"Genmais ist ein Labor auf dem Acker"
Agrarexperte Klaus-Peter Wilbois: Gentechnik ist gefährlich, weil sie die
Kontrollmechanismen der Pflanze ausschaltet

taz: Herr Wilbois, müssen wir vor Genmais Angst haben?

Klaus-Peter Wilbois: Es gibt bislang unüberschaubare potenzielle Risiken. So
lange sollte es keinen Genmais oder Genraps auf den Feldern geben.

Was ist die Alternative? Es verbreiten sich ständig neue Schädlinge - darauf
muss die Züchtung reagieren.

Es gibt bei allen Arten eine riesige genetische Vielfalt, die man nutzen kann.
Da braucht man keine Gentechnik.

Kann nicht auch die klassische Kreuzung gefährlich sein? Es gab Kartoffeln,
die aus dem Verkehr gezogen wurden, weil sie zu giftig waren.

Durch lange Erfahrung mit der Natur hat der Mensch gelernt, damit umzugehen.

In der Vergangenheit, aber was ist mit neuen Kreuzungen?

Es besteht ein entscheidender Unterschied zur Gentechnik: Bei den klassischen
Züchtungen werden die entstandenen Kreuzungsprodukte wieder und wieder
ausgesät, bevor sie in den Anbau kommen. Über viele Generationen kann die
Pflanze entscheiden, ob sie mit den neuen Eigenschaften weiterleben will. Was
nicht passt, wird eliminiert - oder die Pflanze eliminiert sich selbst. Sie
wird steril oder stirbt ab. Die Pflanze hat einen hochkomplexen
Kontrollmechanismus; dies wird in der klassischen Züchtung genutzt, um
Risiken zu minimieren.

Bei der Gentechnik nicht?

Nein. Beim Genmais wird den Bauern jedes Jahr neu erstelltes Saatgut verkauft.
Die Firmen fürchten sich vor den Kontrollmechanismen der Pflanze, die über
mehrere Generationen wirken. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der
Genmais schon im zweiten Jahr zum Beispiel seine Schädlingsresistenz
teilweise verlieren würde, weil die Pflanze diese Eigenschaft abstößt.

Warum sollte sie das tun?

Beim Genmais entsteht etwas völlig Neues: eine Art "Labor auf dem Acker". Die
Pflanze stellt plötzlich in allen Organen ein Insektengift her, also eine
Chemikalie.

Sind nicht alle Pflanzen aus dem Labor? Der Lebensmittelexperte Udo Pollmer
hat vorgestern in der taz erklärt, selbst Biobauern würden Saatgut mit Genen
verwenden, die zum Teil durch atomare Bestrahlung verändert wurden.

Diese Mutationszüchtung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, genetische
Variationen zu erzeugen. Erbgut wurde auch durch Hitze, Kälte oder
Chemikalien verändert.

Ist das ein Unterschied? Klingt alles nach Labor.

Wir züchten auch mit vielen Wildarten wie Gerste aus Äthiopien, die
widerstandsfähiger gegen Pilze ist. Vor allem aber: Ob Mutationszüchtung oder
andere klassische Verfahren - sie simulieren nur die natürlichen Prozesse und
lassen der Pflanze die Chance, die angezüchteten Eigenschaften auszuscheiden.
Das ist bei der Gentechnik anders.

INTERVIEW: ULRIKE HERRMANN

taz 25.6.2005 Interview




23.06.2005 - 22:28
Erneut verbotener Syngenta-Genmais in Japan aufgetaucht

Die japanische Regierung meldete am Donnerstag, in den Mais-Importen aus den
USA die Maissorte Bt-10 identifiziert zu haben. Dies sei die dritte Lieferung
des gentechnisch nach dem Verfahren des Schweizer Agrarchemiekonzerns
Syngenta manipulierte Maisimport in jüngster Vergangenheit. Bt-10 sei in
Japan nicht zugelassen, weshalb der Import unterbunden werden müsse. Der
Importeur müsse die entsprechende Lieferung nun vernichten oder zurück in den
USA versenden, so das japanische Landwirtschaftsministerium. Bt-10 ist von
Syngenta so behandelt worden, dass er gegen Maiszünsler, einem Insekt,
resistent ist. Japan kauft jährlich 16 Millionen Tonnen Mais, 90 Prozent
davon aus den USA. Seit dem ersten Zwischenfall Anfang Juni ist man in Japan
dazu übergegangen, jeden Maisimport aus den USA zu prüfen. Bisher war man
hier nur stichprobenartig vorgegangen.

http://www.boerse-go.de/news/news.php?ida=222857&idc=217




22.06.2005

PRESSEMITTEILUNG: 22.06.2005 | 13:13 UHR | GREENPEACE

Gen-Mais mit Risiken und Nebenwirkungen

Greenpeace veroeffentlicht Firmendokumente ueber Fuetterungsversuche an Ratten

Berlin, 22. 6. 2005 - Greenpeace veroeffentlicht heute bisher vertrauliche
Dokumente des Gentechnik-Konzerns Monsanto ueber Fuetterungsversuche an
Ratten mit genmanipuliertem Mais. Die Tiere wiesen Gesundheitsschaeden auf,
nachdem sie mit Monsantos Gen-Mais MON 863 gefuettert wurden, der ein
Insektengift produziert. Das Oberverwaltungsgericht in Muenster hat den
Bericht am Montag freigegeben, nachdem Greenpeace Akteneinsicht nach dem EU-
Gentechnikrecht beantragt hat. Das Urteil ist auch eine
Praezendenzentscheidung fuer Faelle, in denen Firmen ihre Unterlagen ueber
die Risikobewertung von Gen-Pflanzen geheim halten. Ueber die Importzulassung
entscheidet am Freitag der EU-Umweltministerrat in Luxemburg. Gemeinsam mit
Wissenschaftlern fordert Greenpeace ein Importverbot fuer MON 863, die
Bundesregierung soll gegen eine Zulassung stimmen.

'Der Gen-Mais darf nicht fuer Lebens- und Futtermittel in EU-Laendern
zugelassen werden. Wenn ein Versuch derartig auffaellige Ergebnisse zeigt,
muss er auf jeden Fall wiederholt werden', sagt Prof. Gilles-Eric Seralini
von der staatlichen franzoesischen Kommission CGB (Commission du Génie
Biomoléculaire), die fuer die Risikobewertung von Gen-Pflanzen zustaendig
ist. Wissenschaftler wie Seralini sind durch die Aktenfreigabe nicht mehr an
die bisherige Vertraulichkeit gebunden. 'Die Sicherheitsstandards bei
EU-Zulassungsverfahren fuer genmanipulierte Pflanzen sind generell
unzureichend', sagt Seralini in Berlin.

Auch Prof. Arpad Pusztai, der bereits eine Risikobewertung von MON863 fuer die
deutsche Regierung erstellt hatte, warnt vor einer Marktzulassung: 'Es ist
nicht anzunehmen, dass die Schaeden an den inneren Organen der Ratten und dem
Blutbild der Tiere auf Zufall beruhen. Die Akten zeigen zudem, dass der
Versuchsaufbau ungenuegend und die Datenauswertung fehlerhaft war. Weitere
Untersuchnungen sind zwingend notwendig.'

Der MON863 produziert ein so genanntes Bt-Gift gegen den Maiswurzelbohrer.
Dieses Gift ist nicht identisch mit der Substanz, die in Europa bereits
zugelassene Gen-Pflanzen enthalten, die gegen den Maiszuensler resistent
gemacht wurden. Zudem enthaelt MON863 ein Gen fuer eine umstrittene
Antibiotika-Resistenz. Diese sind laut der EU-Freisetzungsrichtlinie 2001/18
zu vermeiden. Es sei nicht auszuschliessen, dass die manipulierten Gene auf
Krankheitserreger uebertragen werden und so die Entstehung neuer resistenter
Keime foerdern.

In Luxemburg stimmen die Minster auch ueber bestehende nationale Verbote fuer
Import und Anbau von Gen-Pflanzen ab. Fuenf EU-Laender, darunter Deutschland,
berufen sich auf eine nationale Schutzklausel im EU-Recht. Die Kommission hat
die Laender aufgefordert, die Verbote aufzuheben. Bislang wollen nur England
und die Niederlande die EU-Kommission unterstuetzen.

'Die meisten Staaten wollen sich in ihren Rechten nicht beschneiden lassen',
sagt Christoph Then von Greenpeace. Die Aufhebung der nationalen
Beschraenkungen muss ebenso zurueckgewiesen werden wie die Zulassung des
Gen-Maises MON863. Die EU muss jetzt beweisen, dass ihr der Schutz von
Verbrauchern und Umwelt wichtig ist.'
http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?r=194890&sid=&aktion=jour_pm&poffset=4456153000194890&quelle=0




23.06.2005

Tina Goethe

Saat des Hungers

Die Hersteller gentechnisch veränderten Saatguts sind weltweit in der
Offensive. Setzen sie sich durch, werden noch mehr Menschen (ver)hungern.

Am 30. Mai gaben die Vereine zur Förderung der Agrobiotechnologie Finab und
InnoPlanta bekannt, daß in sechs deutschen Bundesländern auf insgesamt 300
Hektar gentechnisch veränderter Mais ausgesät worden sei, sogenannter
Bt-Mais. Der Großteil der Ernte sei für die kommerzielle Nutzung gedacht, ein
kleinerer Teil werde für wissenschaftliche Zwecke angebaut. In ihrer
Pressemeldung, die recht bemüht nach Erfolgsmeldung klingt, klagen Finab und
Inno-Planta über das deutsche "Gentechnik-Verhinderungsgesetz" und den Druck
der Gentechgegner, der die Landwirte einschüchtere. Viele Bauern seien von
ihrem Vorhaben, Bt-Mais anzubauen, zurückgetreten. Selbst die zugesagte
Unterstützung von finanzkräftiger Seite - die multinationalen Saatgutkonzerne
Pioneer und Monsanto sowie das Unternehmen Märkische Kraftfutter stehen den
übriggebliebenen tapferen Gentechbauern zur Seite - schien die Abgesprungenen
nicht überzeugen zu können.

So erscheinen die Bt-Mais anbauenden Landwirte als mutige Vorkämpfer in einem
feindlichen Umfeld. Vor allem die Haftungsregelung, die GVO (gentechnisch
veränderte Organismen) anbauende Landwirte zu Schadensersatz verpflichtet,
wenn benachbarte Felder durch ihre Saaten verunreinigt werden, erzürnt die
Förderer der Agrogentechnologie. Doch warum so viel Unsicherheit, wo doch von
Industrie und Forschung immer wieder versichert wird, daß von gentechnisch
veränderten Pflanzen weder Gefahren für die Umwelt noch für die
gentechnikfreie Produktion ausgingen, sofern bestimmte Sicherheitsmaßnahmen
berücksichtigt würden? Und - für wen bauen die wenigen Bauern in Bayern,
Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Mecklenburg-Vorpommern den Bt-Mais überhaupt an? Denn die Mehrheit der
deutschen und europäischen Bevölkerung ist laut einschlägigen
Meinungsumfragen an Gentech-produkten nicht interessiert oder hält sie sogar
für gefährlich.

Berücksichtigt man die politische und ökonomische Auseinandersetzung um die
Agrogentechnologie, so sind die deutschen Bt-Mais-Bauern tatsächlich
Vorkämpfer: Söldner im Kampf um die weltweite Kontrolle der
Nahrungsmittelproduktion.

Die Auseinandersetzung trat mit der Einführung gentechnisch veränderter
Kulturpflanzen vor elf Jahren in eine neue Phase. Damals wurde die
sogenannten Flavr-Savr-Tomate entwickelt, eine Anti-Matsch-Tomate, die sich
jedoch schnell als Flop erwies. Gentechnisch veränderte Soja-, Mais-,
Baumwoll- und Rapspflanzen sind jedoch weiterhin auf dem Vormarsch. Bisher
allerdings wohl nur deshalb, weil sie hauptsächlich als Futtermittel
eingesetzt werden oder für die Verbraucher nicht als solche zu erkennen sind.
In den USA, die knapp 60 Prozent der GVO-Anbaufläche für sich beanspruchen
dürfen, wurden die Konsumenten gar nicht erst gefragt, der Ruf nach
Kennzeichnung wird beharrlich überhört.

In Europa wird die Skepsis der Bevölkerung bisher zwar noch berücksichtigt,
doch der Druck des internationalen Agrobusiness ist groß. Ein sechs Jahre
lang bestehendes De-facto-Moratorium für den Anbau und die Vermarktung von
GVO wurde letztes Jahr mit der Verabschiedung eines neuen Gentechnikgesetzes,
das die Kennzeichnung von GVO vorschreibt, beendet. Eine im Mai 2003 bei der
WTO eingereichte Klage der USA, Kanadas und Argentiniens gegen das
europäische Moratorium ist jedoch immer noch anhängig. Die USA hatten einen
durch das Moratorium verursachten Exportausfall von 300 Millionen Dollar
jährlich geltend gemacht. Mittlerweile richtet sich die Klage der drei
Agrarexporteure auch gegen die europäische Kennzeichnungspflicht. Ob
europäische Verbraucher und Landwirte Gentechnologie auf Feld und Teller
wollen oder nicht - das Schiedsgericht der WTO kann sie dazu zwingen.

Man kann natürlich argumentieren, Landwirte und Verbraucher hätten ja die
Freiheit, gentechnisch verändertes Saatgut bzw. die daraus resultierenden
Lebensmittel nicht zu kaufen. Doch die Wahlfreiheit endet für den Bauern,
sobald auf dem benachbarten Feld gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut
werden, da ein Nebeneinander von gentechnikfreien und einer auf GVO
basierenden Landwirtschaft langfristig unmöglich ist. Denn eine Auskreuzung
gentechnisch veränderter Pflanzen auf Nachbarfelder oder Wildpflanzen läßt
sich nicht vermeiden, das beweisen zahlreiche Beispiele. So ist etwa im
Westen Kanadas der Anbau von gentechnikfreiem Raps nicht mehr möglich, alle
Biorapsbetriebe mußten ihre Produktion einstellen. Die unkontrollierte
Verbreitung von GVO geschieht über Pollenflug, über Tiere, Boden, Wasser,
Menschen oder über gemeinsam benutzte landwirtschaftliche Maschinen und
Lagerräume. Damit ist sowohl die konventionelle wie auch die biologische
Landwirtschaft bedroht. Gentechnologie ist eine lebendige Technologie -
einmal in die Umwelt gebracht, ist sie nicht mehr rückholbar. Nachdem
Forschung und Industrie die Kontaminierungsrisiken lange heruntergespielt
hatten, entwerfen sie nun Koexistenzregelungen: Sicherheitsabstände zwischen
GVO und gentechfreien Kulturen sowie Vorgaben zur Trennung bei Transport und
Lagerung der Ernte sollen eine Auskreuzung verhindern. Aber das bedeutet
einen großen Mehraufwand für die Landwir-te und wird langfristig nichts
nützen. Der Zweck dieser Maßnahmen scheint also eher darin zu bestehen, die
Kritik zum Verstummen zu bringen und vollendete Tatsachen zu schaffen.

In vielen Ländern ist solch ein Fait accompli bereits geschaffen - durch
finanzkräftige Propaganda, aber auch durch Saatgutschmuggel oder gentechnisch
veränderte Nahrungsmittelhilfe. Mittlerweile beträgt die Gesamtfläche der
angebauten GV-Planzen rund 81 Millionen Hektar, das entspricht 1,5 Prozent
der globalen Kulturfläche oder mehr als zweimal der Fläche Deutschlands.

Doch warum soviel Aufwand und Aufregung wegen ein paar neuer Pflanzensorten
auf einem so geringen Teil der weltweiten Ackerfläche? Soja, Mais, Baumwolle
und Raps sind bisher die einzigen kommerziell angebauten Pflanzensorten, die
gentechnisch verändert wurden. Allein Soja macht bereits über 60 Prozent
aller GVO auf dem Weltmarkt aus, Soja und Mais zusammen kommen auf 84
Prozent. Der Anteil an gentechnisch veränderten Sojabohnen am Weltmarkt
beläuft sich auf 56 Prozent. Bei den anderen Pflanzen liegt der Anteil nicht
über 20 Prozent. Der Anbau von Soja und Mais für den Export - gentechnisch
verändert oder nicht - dient in erster Linie der Herstellung von
Futtermitteln für die Fleischproduktion. Über 90 Prozent aller
Gentechpflanzen wachsen in den USA, Kanada, Argentinien, Brasilien und China.
Die USA und Argentinien bestreiten allein 80 Prozent des weltweiten
GVO-Anbaus.

Die Agrogentechnologie bedeutet einen beispiellosen Eingriff in das natürliche
Erbgut. Über das Einbringen fremder, oft sogar artfremder Gene werden
Kulturpflanzen mit neuen Eigenschaften entwickelt. So werden tierische,
bakterielle oder gar menschliche Gene in Pflanzen eingebaut. Diese
Technologie überschreitet die natürlichen Artgrenzen und hat damit nichts
mehr mit konventioneller Züchtung zu tun, die auf natürlichen Prozessen
basiert. Es entstehen Neukombinationen aus genetischen Informationen
verschiedener Lebensformen, wie sie in der Natur nicht vorkommen und auch nie
entstehen würden. Die Gentechnik vollzieht damit einen technischen
Lebensentwurf von Lebewesen außerhalb der evolutionären Prozesse.

Die gentechnisch veränderten Eigenschaften von derzeit angebauten gentechnisch
veränderten Kulturpflanzen beschränken sich bislang auf die Toleranz gegen
Unkrautgifte (das macht bereits den Löwenanteil der kommerziellen GVO - fast
drei Viertel - aus) und Resistenzen gegen Schädlinge (ca. 20 Prozent). Ein
kleinerer Prozentsatz besitzt beide Eigenschaften. Entwickelt wurden die
herbizidtoleranten Pflanzen in den Labors der Agrarkonzerne, die sich den
Absatzmarkt für ihre chemischen Pflanzenschutzmittel sichern wollten. Da es
anscheinend günstiger ist, neue Pflanzen zu kreieren, als ein neues
Unkrautgift - für das wichtigste, den Bestseller Glyphosat, lief der
Patentschutz aus -, wurde eben die zum Gift passende Pflanze gebaut, die
wiederum für 20 Jahre patentiert werden kann. Die sogenannten
Round-Up-Ready-Pflanzen der Firma Monsanto überleben als einzige die
Behandlung mit dem ebenfalls von Monsanto entwickelten Gift Round Up. Die
herbizidtoleranten Pflanzen der anderen großen Saatgutfirmen funktionieren
nach dem gleichen Prinzip.

Auf dem internationalen Markt hat im Bereich des Agrobusiness ein massiver
Konzentrationsprozeß stattgefunden. Sechs Unternehmen - BASF, Bayer, Dow
Chemical, Du Pont, Monsanto und Syngenta - kontrollieren mittlerweile 75 bis
80 Prozent des globalen Pestizidmarktes, 1994 waren es noch zwölf. Dabei
steht das Schweizer Unternehmen Syngenta, das vor fünf Jahren aus einem
Zusammenschluß der Agrochemiesparten von Novartis und Astra-Zeneca
hervorging, weltweit an erster Stelle. Im Jahr 2004 hatte Syngenta einen
Umsatz von 7,3 Milliarden US-Dollar. Mit dem systematischen Aufkauf von
Saatgutfirmen sichern solche Unternehmen die Verbindung zwischen Saatgut und
Pflanzenschutzmitteln. So kontrollieren auch im Saatgutbereich nur noch fünf
Konzerne 90 Prozent des globalen Saatguthandels (DuPont, Monsanto, Syngenta,
BASF, Bayer); auf dem Markt für gentechnisch verändertes Saatgut hat die
amerikanische Firma Monsanto einen Anteil von satten 91 Prozent. Langfristig
werden weitere Fusionen zwischen Getreidehandel, Saatguthandel und
Lebensmittelherstellern angestrebt, um eine vertikale Integration der Märkte
und die Kontrolle einer geschlossenen Kette vom Feld bis ins Supermarktregal
zu erreichen.

Das Motiv für die Entwicklung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen ist die
Möglichkeit ihrer Patentierung. So nutzen die Konzerne (in seltenen Fällen
auch öffentliche Forschungsinstitute) die Option, ein Patent auf die von
ihnen gentechnisch veränderten Pflanzen oder auch auf bestimmte Gene
anzumelden. Während bei konventionellen Pflanzenzüchtungen über das
Sortenschutzgesetz lediglich einzelne Sorten geschützt und vermarktet werden
können, dürfen Gentechunternehmen über das Patentrecht gleich mehrere
Pflanzenarten auf einmal für sich schützen: all jene, in die sie ein
bestimmtes Gen eingebracht haben. Ist schon der Sortenschutz ein Angriff auf
das uralte Recht von Bauern und Bäuerinnen, aus ihrer Ernte Saatgut
zurückzubehalten, zu tauschen und selbst weiterzuentwickeln, so wird die
Kontrolle über das Saatgut durch private Konzerne potenziert, wenn ein
Patentrecht Patente auf lebende Organismen (Tiere, Pflanzen, Gene) erlaubt.

Eine Pflanze, ein neu "entdecktes" Gen oder ein neues gentechnisches Verfahren
ist damit für eine bestimmte Zeit im Besitz der Konzerne. Für den Einsatz
patentierten Saatguts müssen Landwirte jährlich eine Gebühr an die
Patentinhaber (meist multinationale Unternehmen) entrichten. Die Möglichkeit
einer kostenlosen Wiederaussaat ist damit verwehrt. Für den Fall, daß Patente
auf Pflanzen in bestimmten Ländern nicht durchsetzbar sind, hat die Industrie
bereits vorgesorgt. Mit der "Terminatortechnologie" wurden Pflanzen
entwickelt, die nach der Ernte steril sind. Ihre Verwendung zur Wiederaussaat
ist unmöglich, was einen jährlichen Neukauf des Saatgutes nötig macht. Noch
existiert ein weltweites Moratorium für diese Technologie, doch versucht
insbesondere Kanada, es in internationalen Verhandlungen zu kippen.

Bei der Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen und der Möglichkeit, sie
patentieren zu lassen, geht es also letztlich darum, wer die Grundlagen der
menschlichen Ernährung kontrolliert. Es verwundert daher nicht, daß der Kampf
so erbittert geführt wird. Diejenigen, die die Kontrolle über das Saatgut in
den Händen von Bauern und Bäuerinnen lassen wollen, haben dabei einen
schweren Stand. Der erwähnte Gentechstreitfall vor der WTO geht denn auch
wohl mehr um Marktanteile als um die Wahrung von Bauernrechten gegenüber der
wachsenden Macht und Kontrolle der Konzerne. Denn auch die EU vertritt ein
Patentgesetz, das Patente auf Organismen ermöglicht, doch sehen sich die
EU-Kommission, die Regierungen und die Industrie einer Bevölkerung gegenüber,
die gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnt.

An diese Kritiker richten sich nun Appelle, mit ihren gesundheitlichen und
ökologischen Bedenken nicht so egoistisch zu sein, schließlich leide ein
Großteil der Bevölkerung armer Länder an Hunger, und ohne die
Produktivitätssteigerungen dank GVO könne sie nicht ernährt werden. Als
einige afrikanische Länder, unter ihnen Sambia, vor zwei Jahren gentechnisch
veränderte Nahrungsmittelhilfe zurückwiesen, da sie die ökologischen und
gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung als nicht kalkulierbar
einschätzten und außerdem fürchteten, die Chancen des Exports in die EU durch
die Einführung von GVO zu gefährden, provozierte dies US-Präsident Bush zu
der Behauptung, die Bevölkerung der EU mache sich mit ihrer ablehnenden
Haltung mitschuldig an der Hungerkatastrophe in afrikanischen Ländern.

Die Behauptung, Gentechnologie sei ein zentrales Instrument im Kampf gegen
Hunger, ist so falsch wie unverschämt. Der argentinischen Bevölkerung müßte
es nach dieser Logik eigentlich blendend gehen: Immerhin ist Argentinien nach
den USA der zweitwichtigste Produzent gentechnisch veränderter
Nahrungsmittel. Doch immer mehr Argentinier hungern. Durch die
Industrialisierung der Sojaproduktion haben in den letzten Jahren rund
160.000 kleinbäuerliche Familien ihr Land verloren.

Die zwangsweise verabreichte Dosis gentechnisch veränderter Maispflanzen in
der Nahrungsmittelhilfe an lateinamerikanische und afrikanische Länder zeigt,
daß die Einführung von GVO mit massivem politischen und ökonomischen Druck
einhergeht. Das jüngste bekanntgewordene Beispiel für diesen Druck ist der
Irak: Als der amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer im Juni 2004 Bagdad
verließ, hinterließ er der irakischen Übergangsregierung zahlreiche neue
Verordnungen und Gesetzesentwürfe, darunter auch die Order 81 für ein neues
Patentrecht. Bisher versorgten sich Kleinbauern im Irak über ein mehr oder
weniger informelles System mit Saatgut. Von der Ernte zurückbehaltenes
Saatgut, die ungehinderte Weiterentwicklung und der Austausch von
Pflanzenmaterial unter den bäuerlichen Gemeinschaften sind seit langem die
Grundlage der Landwirtschaft. Diese Praktiken erklärt das neue Gesetz für
illegal. Nun sind nur noch "geschützte" Pflanzensorten zur Aussaat erlaubt,
die von transnationalen Konzernen im Namen des landwirtschaftlichen
Wiederaufbaus in den Irak eingeführt werden. Sie sind Eigentum dieser
Konzerne. Damit wird im Irak ein System von Monopolrechten an Saatgut
eingeführt; darüber hinaus fördert das neue Patentgesetz ausdrücklich den
Vertrieb von genetisch verändertem Saatgut.

Das neue Gesetz ist angeblich notwendig, um die Versorgung mit "qualitativ
hochwertigem" Saatgut im Irak sicherzustellen und den Beitritt des Landes zur
WTO zu erleichtern. Was das Gesetz jedoch tatsächlich erreichen wird, ist die
Beherrschung der irakischen Landwirtschaft durch Monsanto, Syngenta, Bayer,
Dow Chemical und Co. Die Ausschaltung der bäuerlichen Konkurrenz ist in den
Augen dieser Konzerne eine wichtige Voraussetzung, um im Irak tätig zu
werden.

Die obengenannten Zahlen und Fakten über die aktuell angebauten
Gentechpflanzen, über die Marktkonzentration im Agrobusiness und das Beispiel
der Patente machen deutlich, daß die Gentechnologie in der Landwirtschaft
sicher nicht für den Kampf gegen den Hunger entwickelt wurde. Sie ist für ein
Landwirtschaftsmodell gemacht - und fördert dieses -, das den Interessen des
Agrobusiness dient. Es basiert auf einer großflächigen, monokulturellen und
vollständig industrialisierten Produktion. Diese ist teuer und nur durch
intensiven Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel und Dünger sowie mit
massivem Wasserverbrauch und auf guten Böden zu realisieren. Menschliche
Arbeitskraft wird zunehmend überflüssig gemacht. Die ländliche Bevölkerung
verliert so Arbeits- und damit Einkommensmöglichkeiten auf dem Land.
Kleinbauern, lokales Saatgut sowie traditionelle Landwirtschaftsmethoden
haben in solch einem Modell keinen Platz. Die hohen Inputkosten für Saatgut,
Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel treiben viele Kleinbauern und
-bäuerinnen in Verschuldung und Abhängigkeit. Gentechnologie steht für ein
Agrobusiness, das in Zukunft ohne Kleinbauern auskommen will. Deren Überleben
ist jedoch Grundlage einer gesicherten Ernährung der Bevölkerung in vielen
Entwicklungsländern. Rund 300 Millionen Kleinbauernfamilien erwirtschaften
dort 80 bis 85 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte.

Hunger ist keine Folge zu geringer Produktion. Die Welt verfügt derzeit über
so viele Nahrungsmittel wie noch nie; dennoch sind über 800 Millionen
Menschen stark unterernährt. Selbst in Indien wird jährlich ein Überschuß an
Nahrungsmitteln produziert. Er verrottet oder wird vernichtet, obwohl in dem
Land Millionen nicht genug Nahrung zum Überleben haben. Die Gründe für den
Hunger liegen in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit.
Diese wird durch ein Landwirtschaftsmodell, das die Mehrheit der Hungernden -
die arme ländliche Bevölkerung - ausschließt, nicht beseitigt, sondern
verstärkt.

Tina Goethe arbeitet für das Hilfswerk Swissaid

http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=saatdeshungers&jahr=2005&mon=07




aus für die öl-piraten

patent auf neembaum widerrufen

das europäische patentamt (epa) in münchen hat endgültig ein patent auf
ein pflanzenschutzmittel aus dem öl des indischen neembaums widerrufen.
"damit wurde das traditionelle wissen von völkern verteidigt", sagte die
ehemalige umweltministerin belgiens, magda aelvoet, der süddeutschen
zeitung. beispielsweise setzen inder das öl aus neembaum-samen seit
jahrhunderten gegen pilzbefall und insekten ein. patente auf neemprodukte
seien somit biopiraterie. deswegen legte aelvoet bereits 1995 beim epa
einspruch gegen das patent ep 436257 ein. fünf jahre später wurde das
patent zurückgewiesen - wegen "offenkundiger öffentlicher vorbenutzung durch
einen indischen agrarwissenschaftler", so epa-pressesprecher rainer
osterwalder.
die patentinhaber, die vereinigten staaten und seinerzeit noch die us-firma
w. a. grace, legten revision ein. in der jetzigen zweiten instanz ist die
rechtsprechung jedoch abschließend. in einigen wochen wird die technische
beschwerdekammer des epa die begründung offiziell vorlegen. laut osterwalder
sei das urteil aber keine generelle entscheidung über ähnliche patente. baf





nabu begrüßt stopp für projekte zur biologischen sicherheitsforschung

08.03.2005 - 16:03 uhr, nabu

berlin (ots) - der naturschutzbund nabu hat das vorgehen von
bundesverbraucherministerin renate künast (grüne) begrüßt,
verschiedene projekte zur biologischen sicherheitsforschung bei
saatgut zu stoppen. "es ist allein aufgabe der industrie, für mensch
und umwelt sicheres saatgut auf den markt zu bringen", sagte
nabu-präsident olaf tschimpke. es könne nicht sein, dass der
steuerzahler für eine derartige forschung aufkomme. "wenn ein auto im
straßenverkehr zugelassen wird, erwartet der gesetzgeber, dass die
bremsen funktionieren", unterstrich tschimpke. wie der
automobilhersteller zu seinen sicheren bremsen komme, sei "auch nicht
sache des gesetzgebers und werde von der bundesregierung mit
steuergeldern gefördert".

das bundesverbraucherministerium (bmvel) hatte in der vergangenen
woche die mitwirkung seiner beamten an projekten zur "biologischen
sicherheit gentechnisch veränderter pflanzen" untersagt, die zuvor
vom bundesforschungsministerium (bmbf) bewilligt worden waren. unter
druck geraten war vor allem der genforscher joachim schiemann, der
seinen antrag zurückziehen musste. er ist an der bundesanstalt für
land- und forstwirtschaft (bba) in braunschweig beschäftigt. es
handele sich um projekte, die rein der produktentwicklung dienen,
hieß es zur begründung aus dem bundesverbraucherministerium.

nach ansicht des nabu wurden vom bmbf bei der bisherigen förderung
von forschungsprojekten weder die auswirkungen auf die ökologische
landwirtschaft noch auf die angrenzende natur und umwelt
berücksichtigt. "das bmbf fördert nicht ein einziges projekt, das die
folgen dieser technologie für die umwelt und die erhaltung der
biologischen artenvielfalt untersucht", kritisierte tschimpke.
momentan mangele es sowohl an der finanziellen ausstattung für eine
ökologische sicherheitsforschung mit einheitlichen standards sowie an
transparenz in der kommunikation und langfristigen konzepten mit
einbeziehung aller relevanten gesellschaftlichen kräfte.

das bundesforschungsministerium will projekte zur biologischen
sicherheitsforschung bis 2007 mit 12 millionen euro unterstützen.
gefördert werden neben der erforschung von kulturpflanzen, die im
freiland angebaut werden sollen -- dazu gehören mais, raps,
kartoffeln, und verschiedene gehölze -- vor allem projekte zur
optimierung von technologien zur genübertragung bei sterilen
pflanzenlinien und neuen markergenen sowie zum
kommunikationsmanagement.

http://www.presseportal.de/story.htx?nr=655900




künast prüft kontrollbehörden auf befangenheit
zulassungsbeamte traten in werbevideo für genmais auf

mainz. verbraucherministerin renate künast (b' 90 / grüne) wird
spitzenbeamte in kontrollbehörden für gentechnik auf befangenheit prüfen.
nach recherchen des ard-politikmagazins report mainz geht es um eine
interessenkollision der, für die zulassung gentechnisch veränderter
organismen zuständigen beamten: professor hans-jörg buhk, der leiter des
zentrums für gentechnologie, dem auch die "zulassungsstelle gentechnik"
untersteht und sein stellvertreter detlef bartsch traten 2002 in einem
werbefilm für genmais auf. das video wurde im auftrag von sechs großen
gentechnik-firmen produziert. einer der beamten verweist darin ausdrücklich
auf angebliche wirtschaftliche vorteile beim einsatz von genmais. dazu
verbraucherministerin künast: "in privatwirtschaftlichen werbevideos hat
überhaupt kein beamter mitzuwirken und insofern sag' ich ganz klar: das ist
abzustellen."

die beamten sind gleichzeitig die deutschen vertreter bei der europäischen
behörde für lebensmittelsicherheit (efsa) im bereich gentechnik. der behörde
gegenüber hatten sich die spitzenbeamten als "unabhängige experten"
dargestellt. in schriftlichen befragungen der efsa gaben sie an, keinerlei
interessen zu vertreten.

professor ulrich battis, experte für beamtenrecht an der
humboldt-universität in berlin hält die privataktivitäten der spitzenbeamten
für untragbar. wörtlich sagte prof. battis in report mainz: "das ist
eindeutig ein verstoß gegen die amtspflicht, zur unparteiischen
amtsführung." battis weiter: "das muss abgestellt werden."

nach recherchen von report mainz beteiligte sich buhk zudem im jahr 2004 an
der organisation einer großveranstaltung der deutschen gentech-firma
phytowelt gmbh.

joachim schiemann, leitender beamter an der biologischen bundesanstalt
(bba), ist report mainz zufolge auch mitglied des gentechnik-lobbyvereins
"finab". zweck des vereins ist unter anderem die errichtung eines zentrums
in mecklenburg-vorpommern, in dem transgene organismen "in größerem maßstab
für die nutzung durch firmen" hergestellt werden sollen. beruflich ist
schiemann bei der bba als "leiter der fachgruppe gentechnik und biologische
sicherheit" zuständig für die überprüfung von anträgen zur freisetzung
gentechnisch veränderter organismen.

der bundesverband der verbraucherzentralen fordert eine "gründliche
überprüfung" der von report mainz aufgedeckten zusammenhänge. die
vorsitzende, prof. edda müller, verlangte, so lange keine neuen
freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten pflanzen zu genehmigen,
bis die vorfälle aufgeklärt seien.

hans-jörg buhk war vom bundesgesundheitsministerium bereits 2002 "auf die
gefahr einer interessenkollission" und auf seine "beamtenrechtlichen
pflichten" hingewiesen worden.


bei rückfragen rufen sie bitte report mainz, tel.: 06131/929-3351.

der text als rtf-datei unter: http://www.swr.de/report




freitag 25. februar 2005, 15:44 uhr

unterschriften gegen genversuch übergeben

güstrow/schwerin (ddp-nrd). bewohner des landkreises güstrow und
umweltschützer haben am freitag gegen die aussaat gentechnisch veränderter
kartoffeln in ihrer region protestiert. statt der geplanten 500 seien 888
protestunterschriften im amt güstrow-land übergeben worden, sagte eine
sprecherin des landesverbandes des bundes für umwelt und naturschutz
deutschland (bund) am freitag in schwerin. weitere 1500 einwände seien
bereits im vorfeld bei der behörde eingegangen. an der demonstration waren
den angaben zufolge 15 menschen beteiligt.

der chemiekonzern basf plant nach bund-angaben bei lohmen ab mitte märz die
freisetzung gentechnisch veränderter kartoffeln, die nur noch eine stärkeart
bilden. die gegner des vorhabens, darunter auch landwirte, betrachten den
versuch als gefährdung der benachbarten gentechnikfreien region nebel/krakow
am see.

http://de.news.yahoo.com/050225/336/4fnff.html




Gentech-news 110

USA : Mehr und mehr Wildkräuter werden resistent
Die meisten Gentech-Pflanzen sind resistent gegen das Herbizid Roundup. Nun
werden auch immer mehr Wildkräuter resistent – z.B. ‚horseweed’ oder
‚ragweed’ – und entwickeln sich zu kaum bekämpfbaren Superunkräutern. (DFP,
28.1.05) http://www.blauen-institut.ch./Pg/pM/pM5/pm1103.html

Deutschland : Kein Gentech-Mais nahe der Grenze
Bayerische Landwirte wollten Gentechmais nahe der Grenze zu Österreich
anpflanzen. Nach heftigen Protesten der Regionalregierung Oberösterreichs
hat Bayern diese Pläne gestoppt. (OÖN, 21.2.05)
http://www.blauen-institut.ch./Pg/pM/pM5/pm1104.html

Mensch-Tier-Schimären und kein Ende
Chinesische Forscher verschmolzen menschliche Zellen mit Kaninchen-Eizellen.
Die Embryonen wurden einige Tage alt. US-Forscher kreierten Schweine, die
menschliches Blut hatten. Geplant ist auch die Herstellung einer Maus mit
menschlichem Gehirn. Die Grenze zwischen Mensch und Tier löst sich immer
mehr auf. (National Geographic News, 25.1.05)
http://www.blauen-institut.ch./Pg/pM/pM5/pm1102.html

Australien : Druck aus Japan – „Bleibt gentechnikfrei !“
Westaustralien exportiert seinen Raps vor allem nach Japan. Nun fordern 21
japanische Konsumentenorganisationen Westaustralien auf, gentechnikfrei zu
bleiben, wenn sie ihre Marktchance behalten will. Die 3 wichtigsten
Geflügelfirmen Australiens verzichten inzwischen auf Gentechfutter für ihreHühner. (NFC, 14.2.05)
http://www.blauen-institut.ch./Pg/pM/pM5/pm1101.html

Bio boomt weltweit
Heute werden weltweit rund 26 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet –
fast 10% mehr als letztes Jahr. Der Biolandbau boomt. Die grössten
Bioflächen befinden sich in Australien und Argentinien. In der Schweiz
beträgt der Bioanteil an der Landwirtschaft mehr als 10%. (IFOAM, 23.3.05)
http://www.blauen-institut.ch./Pg/pM/pM5/pm1105.html




gen-mais in vogelschutzgebiet
künasts gentech-gesetz wirkt

genmanipulierter mais der sorte 'mon 810' des monsanto-konzerns soll noch dieses jahr in einem vogelschutzgebiet
nordöstlich von berlin (märkische schweiz) angebaut werden. dies hat nun auch die umwelt-organisation nabu auf den plan
gerufen, die bisher das von ministerin künast vorgelegte gentechnik-gesetz verteidigt hatte. der auf 10 hektar geplante
anbau verstößt nicht gegen das in den medien fast einhellig als gentechnik-feindlich apostrophierte gentech-gesetz.
nabu-präsident olaf tschimpke bezeichnete die pläne als "bewußte provokation". die 17 sorten des als 'mon 810' angebotenen
gen-mais wurden für spanien und frankreich konzipiert und benötigen neben umfangreicher düngung auch spezielle herbizide.
"dieser mais hat in einem natura 2000-gebiet nichts zu suchen",schimpft tschimpke, der bisher die durch das künastsche
gentech-gesetz offen gelassene möglichkeit zum anbau von gen-mais ignoriert hatte. gerade bei mais ist in folge von pollenflug die verbreitung der manipulierten gene auf herkömmliche maispflanzen auch durch abstandszonen nicht zu verhindern. darüber
hinaus stellen genmanipulierte mais-sorten eine gefahr für heimische schmetterlings-arten dar. im "grünen" gentech-gesetz sind zudem keinerlei konkrete schutzbestimmungen für sensible ökologische gebiete enthalten. indem es genau diese verbreitungswege offen läßt, bestätigt das gentech-gesetz den wahlslogan "grün wirkt".
dieser tage nun verbreitet zugleich ein industrieverband mit dem namen dbv ("deutscher bauernverband") propaganda für gentechnik und behauptet, im namen der deutschen bauern das künastsche gentech-gesetz als "gentechnik-feindlich" zu kritisieren.
diese lobby-verband agrar-industrie, saatgut- und chemie-konzernen setzt sich nicht nur über die interessen der zu über 70 prozent gegen die einführung von gentechnik in deutschland eingestellten bauernschaft hinweg. zugleich betreibt er eine infame täuschung der deutschen verbraucherinnen, indem er sie indirekt glauben macht, das künastsche gentech-gesetz biete einen
effektiven schutz gegen die einführung der agro-gentechnik. doch ebenso wie von seiten der "rot-grünen" bundesregierung wird
eine koexistenz zwischen den verschiedenen anbau-verfahren unterstellt, die in der praxis der kleinräumigen deutschen landwirtschaft nicht funktionieren kann. dies ist längst durch wissenschaftliche untersuchungen zweifelsfrei bewiesen. dennoch behauptet "rot-grün" die gefahrlose koexistenz regeln zu können und die industrie-lobby zeichnet das bild einer "gentechnikfeindlichen" gesetzgebung, um so die regierungspolitik glaubwürdig erscheinen zu lassen.

klaus schramm




15.02.05
Monsanto hat die Pampa erobert Argentinien

von Gaby Weber

Buenos Aires - Seit Jahren sägt der US-Saatgutkonzern Monsanto am
argentinischen Patentrecht. In dem südamerikanischen Land dürfen - wie in den
Nachbarstaaten - Landwirte ihre Ernte aus genmanipuliertem Sojasamen umsonst
wieder für die eigene Aussaat verwenden. In Europa hingegen müssen die Bauern
jedes Jahr dafür "Nachbaugebühren" entrichten. Um dieses Bauernrecht zu Fall
zu bringen, führe Monsanto, so heißt es am Rio de la Plata, eine Kampagne
gegen Buenos Aires.

Zuerst drohte das Unternehmen, das Land zu verlassen. Damit wäre die Zukunft
des ganzen Gensoja-Anbaus in Gefahr gewesen, denn fast auf allen Sojafeldern
wird genmanipulierter Samen aus dem Hause Monsanto gesät. Das Unternehmen
besitzt heute ein Monopol, die meisten argentinischen Saatgutfirmen haben vor
Jahren Bankrott gemacht. Monsanto verließ das Land nicht, kündigte aber Ende
2004 an, künftig bei den europäischen Käufern die Abgaben zu kassieren, die
ihrer Meinung nach die südamerikanischen Landwirte zahlen müßten.
"Erpressung", kommentierte der argentinische Landwirtschaftsminister.
Inzwischen sitzen alle Beteiligten wieder an einem Tisch, und die Regierung
versucht, den Konflikt zu entschärfen.

José Russo, Präsident des Nationalen Saatgutinstituts, das dem
Landwirtschaftsministerium untersteht, hat einen Kompromiß vorgeschlagen,
einen "technologischen Kompensationsfonds", in den die Landwirte bis zu einem
Prozent ihres Umsatzes einzahlen, und aus diesem Fonds soll Monsanto bezahlt
werden. Niemand ist mit diesem Vorschlag glücklich. Für die Landwirte
bedeutet die neue Abgabe eine Verteuerung ihrer Produktion. Und Monsanto
fürchtet mehr Bürokratie.

Wie das Geld bei den europäischen und chinesischen Abnehmern eingetrieben
werden soll, hat Monsanto bisher nicht verraten. Vermutlich will das
Unternehmen bei den Exportfirmen im Hafen von Buenos Aires die Hand
aufhalten. Aber ob die freiwillig an ein privates Unternehmen zahlen, nur
weil die Käufer der Soja - in Europa - ein anderes Patentrecht haben? Die
Rechtslage ist ungeklärt, so Russo: "Wofür wollen die eigentlich kassieren?
Das manipulierte Gen im Saatkorn spielt nur bei der Aussaat eine Rolle, nicht
beim Wachstum. Wir exportieren Soja für den Konsum, nicht als Saatgut."

Monsanto gibt keine Interviews zum Thema, schaltet aber eine Zeitungsanzeige,
in der das Unternehmen eine "vernünftige Rendite" für sein geistiges Eigentum
fordert. Aber darüber, was "vernünftig" ist, gehen die Meinungen auseinander.

Für die meisten Argentinier kommt der Streit aus heiterem Himmel. Die großen
Zeitungen und Fernsehkanäle haben ihren Sitz in Buenos Aires, und im Großraum
der argentinischen Hauptstadt lebt fast die Hälfte der Bevölkerung. Sie dreht
dem Landesinneren den Rücken zu - obwohl vom Agrobusineß die Wirtschaft
abhängt. Die nationale Industrie hatte jahrelang die Forschung vernachlässigt
und erst zu spät zur Kenntnis genommen, daß Monsantos in aller Welt
gefeierter genmanipulierter Sojasamen RR die Pampa eroberte. RR steht für
Round-up Ready - den Namen des Herbizids, das ebenfalls aus dem Hause
Monsanto stammt, gegen das der Sojasamen resistent ist: Das Herbizid
vernichtet das gesamte Unkraut, nur die Sojapflanzen nicht. Die nationalen
Saatguthersteller konnten dieser Konkurrenz nichts entgegensetzen. Heute ist
die argentinische Volkswirtschaft von einem ausländischen Unternehmen und von
einer Saatgutsorte abhängig.

Die Öffentlichkeit nahm dies bislang kaum als Problem wahr. Und anfangs, in
den neunziger Jahren, gab sich das multinationale Unternehmen kooperativ. Es
meldete in Argentinien nicht einmal sein Patent formell an und bot den Samen
zu einem relativ günstigen Preis an. Vermutlich wollte es das Land als
Sprungbrett in den gesamten Kontinent benutzen. Und dafür mußte das Land erst
einmal von Monsanto abhängig werden. Diese Rechnung ging auf. Zumindest
teilweise: Heute arbeitet praktisch das gesamte argentinische Agrobusineß mit
Gensoja.

Im argentinischen Agrarministerium bestreitet man nicht, daß im ganzen Land an
den "weißen Börsen" ein illegaler und schwunghafter Handel mit dem Sojasamen
RR betrieben wird. Nicht einmal 20 Prozent des Ackerlandes würden mit
legalem, zertifiziertem Samen bepflanzt, so Monsanto. Das Unternehmen wirft
der Regierung vor, diese "weißen Börsen" zu dulden. "Wir dulden den Handel
nicht", widerspricht Russo, "aber meine Behörde war jahrelang lahmgelegt und
hat erst seit einem Jahr eine Eigenständigkeit wiedererlangt."

Die Regierung beziehe keine klare Haltung, kritisiert Jorge Rulli von der
Umweltschutzgruppe "Reflexionen zur Landwirtschaft". Einerseits will sie sich
nicht mit der Lobby der Großbauern anlegen, die ihre Kosten niedrig halten
und Nachbaugebühren verhindern will. Andererseits verfüge auch der
multinationale Konzern über mächtige Fürsprecher. Der derzeitige
Wirtschaftsminister und starke Mann in der Regierung - Roberto Lavagna - sei
an der Consultingfirma Eco-Latina beteiligt, zu deren größten Kunden Monsanto
gehöre, so der Umweltschützer.

Rulli fordert die Regierung zum Eingreifen in den Markt auf. Auf die Forschung
müsse mehr Wert gelegt werden, der natürliche und umweltschonende Anbau
notfalls auch mit Subventionen gefördert werden. Auf das Wort "Subventionen"
reagiert man im Agrarministerium aber allergisch. "Wir verlangen von Europa
ein Ende der Subventionspolitik", so Russo, "es wäre ein Widerspruch, wenn
wir nunmehr im eigenen Land mit Subventionen beginnen würden." Noch ist
nichts entschieden. Auf jeden Fall wird die nächste Runde im Machtkampf
zwischen Argentiniens Großbauern, Regierung und dem Multi Monsanto spannend.

Artikel erschienen am Di, 15. Februar 2005
http://www.welt.de/data/2005/02/15/463664.html




15.02.05
Gen-Mais Anbau ohne Kontrollen
/ Greenpeace: Europäische Kommission versagt bei Zulassung von Gen-Saaten

Hamburg (ots) - Der Anbau der genmanipulierten Maissorte Mon810
des Saatgut-Konzerns Monsanto entspricht nicht geltendem EU-Recht.
Gemäß der EU-Richtlinie 2001/18 müssen beim Anbau von Gen-Saaten
Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit kontinuierlich überwacht
werden. Nach Recherchen von Greenpeace existiert ein derartiger
Überwachungsplan für Mon810 nicht, obwohl der ehemals zuständige
EU-Kommissar David Byrne dies öffentlich behauptete. Trotz dieses
Verstoßes hat die EU-Kommission im September 2004 die Aufnahme des
Gen-Maises als erstes gentechnisch verändertes Saatgut in den
Sortenkatalog der EU genehmigt. Damit kann die Gen-Pflanze in der EU
verkauft werden.

Greenpeace-Aktivisten fordern daher heute Verbraucherministerin
Renate Künast (Grüne) in Berlin mit einem "Stopp-Gen-Mais"-Schild
auf, die Konsequenz aus der fehlenden Risikokontrolle zu ziehen. Etwa
100 deutsche Landwirte wollen dieses Jahr Gen-Mais anbauen. Bereits
im vergangenen Jahr wurde fast ausschließlich Gen-Mais von Monsanto
im deutschen Erprobungsanbau ausgebracht.

"Die EU-Kommission hat ihre Mitgliedsstaaten durch falsche
Informationen in die Irre geführt", sagt Christoph Then,
Gentechnikexperte von Greenpeace. "Damit untergräbt die Kommission
die derzeit geltenden Sicherheitsstandards der Europäischen Union. In
Deutschland darf unter diesen Voraussetzungen kein Gen-Mais ausgesät
werden."

Der Gen-Mais Mon810 enthält ein so genanntes Bt-Gift, das die
Pflanzen vor Insektenfraß schützen soll. Jüngste wissenschaftliche
Publikationen zeigen ein alarmierendes Spektrum möglicher negativer
Auswirkungen dieser Gen-Pflanzen. So kann sich das Gift im Boden
anreichern und geschützte Insekten gefährden. Der Überwachungsplan
von Monsanto aus dem Jahr 1995 sieht jedoch lediglich vor, im
Freilandversuch das Entstehen von möglichen Resistenzen bei
Schädlingen zu beobachten. Weitere Risiken des Anbaus werden nicht
beschrieben.

In einer Pressemitteilung vom 8. September 2004 hatte David Byrne
behauptet, Monsanto hätte seine Risikoforschung verbessert: Es würde
ein aktualisierter Überwachungsplan vorliegen, der der
Rahmenrichtlinie 2001/18 genüge. Dieser sei von den Mitgliedsstaaten
der EU akzeptiert. Nachfragen bei Behörden in Deutschland, Dänemark
und Österreich haben jedoch ergeben, dass dieser Plan nicht vorliegt.

Der Anbau von Gen-Pflanzen in Deutschland wird jetzt zur
Nagelprobe für Künast, die sich dem Schutz der Umwelt und der
Verbraucher verpflichtet hat. Denn die europäische Gesetzgebung
erlaubt nationalen Regierungen, Maßnahmen gegen den Anbau von
Gen-Pflanzen zu ergreifen, wenn nach neuen wissenschaftlichen
Erkenntnissen eine Gefährdung von Mensch und Umwelt nicht
ausgeschlossen werden kann. Ungarn hat bereits im Januar gehandelt.
Das ungarische Landwirtschaftsministerium hat Einfuhr und Anbau von
Mon810 untersagt.




monsanto verurteilt

der weltmarktführer für gentechnisch verändertes saatgut bestach
indonesischen regierungsvertreter

berlin taz wegen verstoßes gegen die us-amerikanischen
antikorruptionsgesetze muss der biotech-konzern monsanto rund 1,5 millionen
dollar strafgeld zahlen. nach ansicht des us-amerikanischen departments für
justiz hat der weltmarktführer für gentechnisch verändertes saatgut in
indonesien einen mitarbeiter der indonesischen regierung bestochen, um dort
ein "günstiges klima" für gentech-pflanzen zu schaffen. monsantos
chefanwalt
charles burson erklärte, dass der konzern das strafgeld zahlen werde.
akzeptiert werde auch die auflage, dass für die nächsten drei jahre ein
unabhängiger finanzprüfer die bücher des konzerns überwache.

aufgeflogen sind die illegalen geldflüsse bei monsanto durch eine interne
überprüfung. dabei stellte sich heraus, dass 2002 über die indonesische
niederlassung rund 50.000 us-dollar an einen umweltbeamten flossen. monsanto
versuchte damals, in indonesien eine anbaugenehmigung für seine mit einer
insektenresistenz ausgestatteten baumwollpflanzen zu bekommen.
bauernorganisationen versuchten jedoch, die genehmigung zu verhindern. mit
dem bestechungsgeld, das von einem inzwischen entlassenen monsanto-manager
in den usa bewilligt wurde, sollten die auflagen für eine umweltprüfung
reduziert werden. dazu ist es dann aber doch nicht gekommen.

bei den justizverfahren kam auch heraus, dass es noch weitaus größere
finanzielle unregelmäßigkeiten in der indonesischen monsanto-niederlassung
gab. in den jahren 1997 bis 2002 sollen insgesamt 700.000 us-dollar an
diverse mitarbeiter von offiziellen behörden gegangen sein. monsantos
firmenpolitik, vor allem bei der vermarktung und akzeptanzbeschaffung, ist
in den letzten jahren wiederholt in die kritik geraten. in den usa arbeite
der konzern auch eng mit den behörden zusammen. so kam es auch schon vor,
dass ein ehemaliger monsanto-mitarbeiter später als regierungsbeamter einen
genehmigungsantrag bearbeitete, den er einst selbst mit ausgearbeitet hatte.
und nach beendigung dieser aufgabe wechselte er wieder in den konzern.
"wolfgang löhr

taz nr. 7559 vom 8.1.2005, seite 8, 71 zeilen (taz-bericht), wolfgang löhr

 



 back




 

 

 

 

 

 

 



 back

home
theopenunderground udog ulinuz nurse war kapital sekten

  
  @readme  guestbook forum impressum/disclaimer [] 09.06.2006/05.2002
fuck the german attac - attac.toug.de toetet-die-gruenen.de